Zweimal in Lebensgefahr

Hans-Jürgen Heldmann überlebt zwei Bauchaortenaneurysmen

Hans-Jürgen Heldmann aus Bad Hersfeld ist auch für Chefarzt Dr. Amer Jomha am Klinikum Bad Hersfeld ein besonderer Patient: In 2021 und noch einmal in 2025 überlebt der heute 83-Jährige zwei lebensbedrohliche Bauchaortenaneurysmen. „Der gesamte Verlauf ist äußerst selten“, so Chefarzt Dr. Amer Jomha über seinen Patienten. Behandelt wurde er jeweils in der Notaufnahme bzw. der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Bad Hersfeld.

Es ist Anfang August 2021 als Hans-Jürgen Heldmann nachts mit einem unguten Gefühl aufwacht und den Notruf alarmiert. „Ich bin sehr geschwitzt wach geworden und hatte ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Meine Frau und ich haben uns dann dazu entschieden, den Notruf zu alarmieren“, erinnert er sich. Nach einer kurzen Beratung zwischen Rettungsdienst und Notarzt vor Ort geht es für Heldmann direkt in die Notaufnahme – und innerhalb einer Stunde in das CT und anschließend in den Operationssaal. Die Diagnose: ein geplatztes Bauchaortenaneurysma mit einem Durchmesser von fast neun Zentimetern und einer massiven inneren Blutung. „Zu dem Zeitpunkt war Herr Heldmann ganz klar in Lebensgefahr. Wir mussten ihn zweimal wiederbeleben und die gerissene Bauchschlagader in einer Notoperation versorgen“, erklärt Dr. Jomha. Die Aorta ist die größte Schlagader des Körpers. Im Bauchbereich kann sie sich krankhaft erweitern – man spricht dann von einem Bauchaortenaneurysma. Kommt es hier zu einem Aneurysma, also einer Aussackung, die reißt, ist dies unmittelbar lebensgefährlich. „In diesem Fall kommt es zu einer enormen inneren Blutung, die zum Verbluten führen kann“, so Jomha weiter. Heldmann selbst kann sich an diese Nacht nur noch bruchstückhaft erinnern: „Ich weiß noch, wie wir in Richtung Klinikum losgefahren sind – danach kann ich mich erst wieder an das Aufwachen auf der Intensivstation erinnern.“

Bereits zwei Jahre zuvor war das zu diesem Zeitpunkt bereits kritisch große Aneurysma – also die krankhafte Erweiterung der Aorta – in einer Untersuchung aufgefallen. „Ich war wegen einer starken Durchblutungsstörung meines Beins im Klinikum. Bei der Untersuchung ist dem Arzt auch das Aneurysma aufgefallen“, so Heldmann. Das Ärzteteam empfiehlt ihm hier jedoch eindringlich, die aktuelle Infektsituation abzuwarten, bevor das Aneurysma behandelt werden kann. Dazu erklärt Oberärztin Isabelle Schmitt: „Wenn bereits eine Infektion vorliegt, besteht bei der Implantation einer Kunststoffader das erhöhte Risiko, dass sich diese Keime im Körper verschleppen, was die Situation massiv verschlechtern würde.“ Entsprechend empfiehlt der behandelnde Arzt, nach Abklingen der Infektion eine direkte Kontrolle wahrzunehmen. „Ich hatte allerdings gar keine Schmerzen und habe auch zunächst einige Monate gebraucht, um nach der Durchblutungsstörung in meinem Bein wieder fit zu werden“, so Heldmann weiter, „da hatte ich das Aneurysma erst einmal hintenangestellt.“

In 2025 stellt Heldmann sich aufgrund eines Leistenbruchs in einem Krankenhaus in der Region vor und wird kurz vor Weihnachten ein erstes sowie im Januar 2026 ein zweites Mal operiert. „Dabei wurde mir auch ein Netz eingesetzt, damit die große Wunde besser abheilt“, erklärt der 83-Jährige. Leider ist dies nicht der Fall, sodass er rund drei Wochen nach der Operation seinen Hausarzt aufsucht und ihm die nicht heilende Wunde zeigt. Bei der Gelegenheit – so dachte sich Heldmann – wollte er ihm auch gleich seine „Beule“ am Unterbauch zeigen, die im Rhythmus seines Herzschlags kräftig schlägt. „Ich bin mir sicher, dass der Hausarzt da überrascht war, denn was Herr Heldmann als ‚Beule‘ bezeichnet hat, war erneut eine rund zehn Zentimeter große Aussackung der Bauchschlagader – also ein weiteres lebensbedrohliches Bauchaortenaneurysma“, so betont Dr. Jomha. Allerdings – und so das Glück des Hersfelders – handelte es sich dieses Mal um eine sogenannte gedeckte Ruptur. Dazu Jomha: „Bei einer gedeckten Ruptur ist die Gefäßwand eingerissen, die Blutung wird jedoch zunächst begrenzt. Diese Situation kann man durchaus als tickende Zeitbombe bezeichnen.“ Wie alt die Ruptur zu diesem Zeitpunkt bereits war und wie lange es Hans-Jürgen Heldmann damit noch gutgegangen wäre, ist unklar. Sein Hausarzt alarmiert unmittelbar den Notruf, ruft Oberärztin Schmitt persönlich an und schickt seinen Patienten per Rettungswagen direkt ins Klinikum Bad Hersfeld.

Am Klinikum wird er erneut von Dr. Jomha und dessen Team entgegengenommen und untersucht. Gemeinsam entscheiden sich Ärzteteam und Patient für einen geplanten Eingriff am nächsten Tag – diesmal mit Einsatz einer sogenannten endovaskulären Stentprothese. Dazu Schmitt: „Dabei handelt es sich um ein künstliches Gefäßimplantat, mit dem beschädigte oder erweiterte Gefäßabschnitte stabilisiert werden können. Diese gibt es entweder in Standard-Größen oder, wenn nötig, als individuelle Anfertigung passend für den jeweiligen Patienten.“ Hans-Jürgen Heldmanns Prothese wird direkt nach seiner Untersuchung speziell für ihn bestellt und über Nacht gefertigt – und erreicht pünktlich zur geplanten Operation am nächsten Morgen das Klinikum. Für den berenteten Ingenieur Heldmann durchaus spannend.

Nach der Operation verbringt Heldmann rund eine Woche in der Klinik, davon einige Tage auf der Intensivstation. Mit der Betreuung durch Jomhas Team ist er äußerst zufrieden: „Alle Gespräche waren offen und klar. Meine Frau und ich waren uns sehr bewusst, wie ernst die Situation ist, aber auch, in welch erfahrenen Händen ich hier bin. Trotz der Lebensgefahr sind alle sehr ruhig und transparent mit mir umgegangen. Auch die Pflege und Betreuung auf der Station nach dem Eingriff waren wirklich gut.“ Entgegen der allgemeinen Empfehlung zu einer Reha entscheidet Heldmann sich dafür, ambulante Reha-Maßnahmen zu Hause durchzuführen. Während er nach seinem ersten Eingriff vor fünf Jahren noch für einige Wochen in die Reha gegangen war, möchte er nun vor allem in seinem vertrauten Umfeld bleiben und die durch das längere Liegen etwas ermüdeten Muskeln wieder zu Hause mit seiner Frau, seiner Tochter, seinem Schwiegersohn und den Enkeln in Form bringen. Seinen doppelten Lebensrettern aus der Gefäßchirurgie des Klinikums Bad Hersfeld spricht er einen ganz besonderen Dank aus.

Bildunterschrift 1: Chefarzt Dr. Amer Jomha, Hans-Jürgen Heldmann und Oberärztin Isabelle Schmitt.
Bildunterschrift 2: Hans-Jürgen Heldmann ist Mitglied der Hersfelder Schützengilde 1252 e.V.