Nach 25 Jahren wieder aufrecht durchs Leben

Eine komplexe Operation an der Wirbelsäule nimmt Esther Hohmann einen langjährigen Begleiter: ihre Rückenschmerzen

Mal kurz stehen bleiben; sich unauffällig bücken; beim Wandern eine kleine Pause einlegen. Für Esther Hohmann aus dem Schwalm-Eder-Kreis gehören solche kleinen Strategien seit vielen Jahren fest zum Alltag: Starke Rückenschmerzen sind für die 55-Jährige über einen Zeitraum von fast 25 Jahren zu einem ständigen Begleiter geworden. „Da tut man mal so, als müsse man sich gerade die Schuhe zubinden oder beim Spazierengehen kurz verschnaufen. Irgendwann lernt man, mit den Schmerzen zu leben“, erzählt Hohmann. Dass sie heute wieder gerade stehen und ohne ihre jahrelangen Einschränkungen nach vorne blicken kann, hat sie einem komplexen Eingriff durch das Team der Sektion für Neurochirurgie unter Leitung von Mohamed Meky A. Mohamed am Klinikum Hersfeld-Rotenburg zu verdanken.

Begonnen hat ihre Patientengeschichte bereits vor rund 25 Jahren. Damals kommt es aufgrund eines Bandscheibenvorfalls zu einer sogenannten Fußheberschwäche. „Wie der Name schon sagt, konnte ich meinen Fuß und meine Zehen plötzlich nicht mehr wie gewohnt nach oben ziehen. Wenn diese Bewegung nicht funktioniert, merkt man erst einmal, wie wichtig sie eigentlich für jeden einzelnen Schritt ist“, erinnert sie sich. Ein MRT bringt schließlich Gewissheit. Gleichzeitig erhält Esther Hohmann eine weitere Diagnose: Morbus Basedow – eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Überfunktion der Schilddrüse führt und sich unterschiedlich auf den Körper auswirken kann.

Was folgt, sind viele Jahre mit verschiedenen Arztbesuchen, Therapieansätzen und dem Versuch, die Schmerzen im Alltag bestmöglich zu kontrollieren. Was fehlt, ist eine langfristige Lösung. Auch eine Operation im Herbst 2025, nachdem erneut ein Bandscheibenvorfall festgestellt wurde, bringt nicht den erhofften Erfolg. „Leider kam es während des Eingriffs zusätzlich zu einer Verletzung der Rückenmarkshaut und anschließend zu einer Wundheilungsstörung. Das war zu diesem Zeitpunkt natürlich extrem enttäuschend“, erinnert sich Hohmann.

Über ihren Mann gelangt die 55-Jährige schließlich im Frühjahr 2026 zum Team der Sektion für Neurochirurgie am Klinikum Bad Hersfeld. Schon die ersten Gespräche mit dem Leitenden Oberarzt Ahmed Elsheikh bleiben ihr positiv in Erinnerung: „Die Gespräche waren von Anfang an mutmachend. Herr Elsheikh und das ganze Team haben sich viel Zeit genommen, sich meine Vorgeschichte angehört und meine Sorgen ernst genommen.“ Nach einer ausführlichen Diagnostik können die Neurochirurgen die Ursache für die langjährigen Beschwerden schließlich genau einordnen. „Bei unserer Patientin lagen mehrere Krankheitsbilder vor, die einzeln betrachtet häufiger auftreten, in dieser Kombination aber eher selten sind“, erklärt Elsheikh. Neben Verschleißerscheinungen und knöchernen Veränderungen der Wirbelsäule sorgen unter anderem Verengungen im Bereich der Nervenbahnen sowie eine Veränderung der natürlichen S-Form der Wirbelsäule für die Beschwerden. „Dieses Zusammenspiel verschiedener Faktoren hat die Lebensqualität von Frau Hohmann natürlich erheblich eingeschränkt.“

Gemeinsam entscheiden sich Patientin und Ärzteteam für einen rund vierstündigen Eingriff im Mai 2026. „Ein derart komplexer Eingriff ist bei uns im Klinikum aufgrund der vorhandenen Strukturen und der engen Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche möglich“, erklärt Oberarzt Ahmed Elsheikh. Während der Operation setzt er als Hauptoperateur insgesamt zwölf Schrauben und vier sogenannte Cages ein, rekonstruiert damit die S-Form der Wirbelsäule, entfernt störende knöcherne Veränderungen und schafft wieder mehr Platz für die betroffenen Nerven.

Bereits zwei Tage später erlebt Esther Hohmann einen Moment, den sie so schnell nicht vergessen wird: „Schon am Sonntagmorgen konnte ich nicht nur gerade stehen, sondern auch meinen Fuß und meine Zehen wieder heben. Das war für mich wie Zauberei“, erzählt sie. Auch das Ärzteteam zeigt sich nach mehreren Kontrolluntersuchungen per MRT und CT zufrieden. „Besonders der Moment, als Frau Hohmann ihren Fuß wieder bewegen konnte, war natürlich auch für uns etwas Besonderes“, erklärt Mohamed. Gleichzeitig beginnt nun ein weiterer wichtiger Abschnitt: die Rehabilitation. Nach vielen Jahren mit Beschwerden geht es darum, Bewegungsmuster neu zu erlernen und die entstandene Fehlhaltung Schritt für Schritt auszugleichen.

Esther Hohmann weiß, dass ihr Heilungsweg damit noch nicht beendet ist. Doch nach vielen Jahren mit Schmerzen blickt sie optimistisch auf die kommenden Monate. „Mir ist bewusst, dass ich wahrscheinlich nie komplett schmerzfrei sein werde. Dafür gibt es durch meine Autoimmunerkrankung und die langjährigen Veränderungen einfach zu viele Faktoren. Aber das Ergebnis nach dieser Operation bedeutet für mich eine enorme Verbesserung meiner Lebensqualität – das ist unglaublich.“

Besonders freut sich die 55-Jährige darauf, wieder unbeschwerter unterwegs zu sein. Gemeinsam mit ihrem Mann, Freunden und ihren Hunden ist sie gerne in der Natur und verbringt viel Zeit beim Wandern. Genau diese Momente möchte sie künftig wieder genießen können – ohne ständig nach der nächsten Möglichkeit für eine Pause suchen zu müssen. Auch an die Zeit auf der Station im Klinikum Bad Hersfeld denkt sie gerne zurück: „Das gesamte Team war einfach toll. So viel Lob kann man eigentlich gar nicht aussprechen.“

Bildunterschrift (1): Leitender Oberarzt Ahmed Elsheikh (links) und Sektionsleiter Mohamed Meky A. Mohamed mit ihrer Patientin Esther Hohmann.