Eine kleine Prothese für besseres Hören

Zwei Operationen führen den 16-jährigen Josef Laudage von Hannover nach Bad Hersfeld

Wenn es ums Hören geht, ist Prof. Dr. Peter Issing weit über seinen Wirkungsort am Klinikum Bad Hersfeld hinaus bekannt: Deutschlandweit gehört der Hersfelder zu den renommierten Experten seines Fachgebiets. Entsprechend häufig besucht er Kongresse, hält Vorträge – und operiert manchmal auch direkt vor Ort. 2025 trifft er bei einer solchen Operation auf Josef Laudage aus Hannover. In einem Eingriff mit Schulungscharakter setzt er dem damals 15-Jährigen eine sogenannte Stapesplastik ein, um dessen Hörvermögen wiederherzustellen. „Nach diesem sehr erfolgreichen Eingriff haben wir uns als Familie dazu entschieden, auch das andere Ohr von Prof. Issing operieren zu lassen – dieses Mal eben in Bad Hersfeld“, berichtet sein Vater.

Josef Laudage lebt mit seiner Familie in Hannover und besucht zum Zeitpunkt seines ersten operativen Eingriffs die 8. Klasse. Seit seiner Kindheit leidet er an einer Schwerhörigkeit: Aufgrund eines sogenannten Paukenergusses sucht seine Familie mit dem damals 4-Jährigen einen HNO-Arzt auf, der bei ihm eine Mittelohrschwerhörigkeit sowie eine beidseitige Otosklerose diagnostiziert. „Otosklerose ist der Fachbegriff für die Verknöcherung des Steigbügels. Dieser verliert dadurch seine Beweglichkeit und kann Schall nicht mehr ausreichend übertragen. Das Ergebnis ist eine fortschreitende Schwerhörigkeit“, erklärt Prof. Issing. Neben dem Hörverlust können Ohrgeräusche und auch Schwindel weitere Symptome sein. Im Falle von Josef Laudage kommt das junge Alter hinzu; dazu Issing weiter: „Die Otosklerose ist häufig erblich bedingt und kann entsprechend auch früh auftreten. Gerade in jungen Jahren ist gutes Hören für unsere Sprach- und auch Sozialentwicklung enorm wichtig, sodass hier ein frühzeitiges Eingreifen entscheidend ist.“

Die Eltern von Josef entscheiden sich deshalb schon früh für die Versorgung mit Hörgeräten. „Das hat über viele Jahre hinweg sehr gut geklappt, sodass Josef ganz normal mit anderen Kindern spielen und sich verständigen konnte. Im Teenageralter haben wir allerdings gemerkt, dass sich die Situation verschlechtert und die Hörgeräte nicht mehr ausreichen“, berichtet sein Vater. Gemeinsam vereinbart die Familie einen Termin am Deutschen Hörzentrum der Medizinischen Hochschule Hannover. Nach einigen Tests und Gesprächen steht für sie fest: In einer Operation soll der verknöcherte Steigbügel eines Ohres durch eine Prothese ersetzt werden. „Als die Ärzte dann gefragt haben, ob meine Operation eine Art Schulungsoperation sein könnte, bei der andere Ärzte zuschauen, haben wir natürlich Ja gesagt“, erinnert sich Josef.

Seinen jungen Patienten lernt Prof. Dr. Issing entsprechend kurz vor dem Eingriff kennen. Regelmäßig besucht er Schulungen und Fortbildungen an seiner ehemaligen Wirkungsstätte Hannover und gibt dort sein Wissen und seine operative Erfahrung weiter. „Josef war in diesem Fall ein sehr passender Patient, bei dem wir durch die Operation mit einer deutlichen Verbesserung des Hörens rechnen konnten“, so Issing. Während des Eingriffs ersetzt er wie geplant den verknöcherten Steigbügel durch eine sogenannte Stapesplastik, eine kleine Prothese.

Etwa ein Jahr später wendet sich die Familie erneut an die Klinik. „Nachdem das mit dem einen Ohr so gut verlaufen war, wollte ich gerne auch das zweite Ohr operieren lassen“, so Josef. Vor Ort rät man der Familie, sich erneut an Prof. Dr. Issing zu wenden. „Gesagt, getan – wir haben der Abteilung von Prof. Issing abends geschrieben und hatten direkt am nächsten Vormittag eine Antwort mit einem Terminvorschlag im Postfach. Das war natürlich besonders“, berichtet Josefs Vater.

In Bad Hersfeld wird die Familie von Issings Team freundlich empfangen, der mittlerweile 16-Jährige untersucht und auch für das zweite Ohr eine Stapesplastik empfohlen. „Die Stapesplastik ist ein Standardeingriff im Falle einer Otosklerose, den wir hier regelmäßig durchführen. Dabei ist in der Regel mit sehr guten Ergebnissen zu rechnen. Da ich bereits das erste Ohr meines jungen Patienten operiert hatte, hatten wir auch beim zweiten Eingriff keine Bedenken“, so Issing. Nur wenige Wochen später findet die rund eineinhalbstündige Operation in Bad Hersfeld statt – und verläuft wie geplant. Bereits wenige Stunden danach ist Josef wieder fit und vor allem erleichtert. „Ich war sehr froh, dass ich es nun hinter mir hatte und eigentlich keine Schmerzen hatte. Nur ein bisschen schwindelig war mir“, berichtet Josef.

Seine Eltern sind dankbar für die Möglichkeit der Operation – und dafür, erneut auf den bereits vertrauten Operateur setzen zu können. „Wir sind absolut optimistisch, dass die beiden Eingriffe für Josef eine klare Verbesserung des Hörens und damit natürlich auch seiner Lebensqualität bedeuten. Er wird in ein paar Jahren in einen Beruf starten, seinem Hobby, dem Darten mit Freunden, weiter nachgehen und noch viele andere Erfahrungen machen, bei denen gutes Hören wichtig ist“, betont sein Vater. Den Weg von Hannover nach Bad Hersfeld habe die Familie dafür gerne in Kauf genommen: „Wir haben uns hier alle richtig gut gefühlt. Das gesamte Team der HNO-Klinik und der Station war sehr freundlich und hilfsbereit. Hier können wir nur eine klare Empfehlung aussprechen.“