Zwei Operationen, ein gemeinsames Ziel

Zurück in Bewegung – und zurück nach Spanien

Kurz nach Weihnachten beginnt für Christel und Norbert Dietrich normalerweise die schönste Zeit des Jahres: Dann geht es für das Ehepaar aus Bad Hersfeld mit dem Wohnmobil für mehrere Monate nach Spanien. Doch im Frühjahr 2025 stand diese feste Tradition plötzlich auf der Kippe. „Mein Mann konnte die Schulter kaum noch bewegen und ich selbst hatte starke Schmerzen im Rücken. Wir hatten unseren Campingurlaub in Spanien schon fast abgeschrieben“, erinnert sich Christel Dietrich – bis sie auf Dr. Rudolf Bendik und das Team der Orthopädie am Klinikum Bad Hersfeld treffen.

Seit vielen Jahren verbringen die beiden Rentner jährlich rund drei Monate im warmen Süden. „Wir sind dort viel unterwegs, machen Ausflüge und nehmen am Sportprogramm des Campingplatzes teil. Dreimal pro Woche mache ich normalerweise beim Zumba mit“, erzählt die 66-Jährige. Im Frühjahr 2025 beginnen die beiden jedoch früher als sonst, über ihre Reise nachzudenken: Bei Norbert Dietrich sorgt eine Schädigung der Rotatorenmanschette für massive Einschränkungen der Schulterbeweglichkeit. „Es lag eine komplexe Schädigung der Rotatorenmanschette vor. Die Supraspinatus- sowie die Subscapularissehne waren gerissen, zudem war die Verankerung der langen Bizepssehne beschädigt und die Sehne dadurch verschoben. Hinzu kamen ausgeprägte Verkalkungen,“ erklärt Oberarzt Dr. Rudolf Bendik aus der Orthopädie des Klinikums Bad Hersfeld. Besonders die Einschränkungen bereiten dem früheren Lehrer Sorgen: „Ich bin ein sehr aktiver Mensch, arbeite viel im Garten und mache handwerklich vieles selbst. Auch bezüglich der Spanienreise machte ich mir viele Gedanken: Schafft meine Schulter nur 10 Wochen nach der Operation die Wohnmobilfahrt in das 2.600 km entfernte Andalusien und komme ich mit all den Arbeiten um das Campen ohne Einschränkungen zurecht?“

Auch seine Frau Christel blickt zu diesem Zeitpunkt mit Sorge auf die geplante Reise. „Ich hatte starke Schmerzen und musste im Alltag immer wieder Pausen machen.“ Dass hinter den Rückenbeschwerden eine ausgeprägte Arthrose der Hüfte steckt, überrascht selbst die gelernte Krankenschwester: „Mit der Hüfte hätte ich nicht gerechnet. Entsprechend geschockt war ich, als Dr. Bendik mir zu einem künstlichen Hüftgelenk geraten hat – und damit sah es dann für unseren Spanienurlaub plötzlich schlecht aus.“

Für Norbert Dietrich steht schnell fest, an wen er sich wenden möchte: Bereits vor rund zehn Jahren wurde er von Dr. Bendik an der anderen Schulter operiert. „Ich habe damals so gute Erfahrungen gemacht, dass für mich sofort klar war: Wenn eine Operation erforderlich sein sollte, dann wieder vom selben Orthopäden.“ Damit beginnt für das Team der Orthopädie eine genaue organisatorische Planung: Beide Operationen müssen zeitlich so abgestimmt werden, dass sich das Ehepaar gegenseitig unterstützen kann – und gleichzeitig genügend Zeit bis zur Abreise nach Spanien bleibt. „Genau dafür bin ich Arzt geworden“, erklärt Bendik. „Ich möchte Menschen dabei helfen, ihre Lebensqualität zu erhalten. Und wenn Patienten ein so konkretes Ziel vor Augen haben wie das Ehepaar Dietrich, dann versuchen wir natürlich gemeinsam, genau das möglich zu machen.“ Eine wichtige Rolle übernimmt dabei auch Inna Müller, Koordinatorin in der „Ortho“. Sie behält OP-Termine, Physiotherapie, Reha und Heilungsverläufe im Blick. „Frau Müller und Herr Dr. Bendik haben unglaublich viel organisiert und mitgedacht. Viele hätten uns wahrscheinlich einfach gesagt, wir sollen die Reise absagen“, weiß Norbert Dietrich die Unterstützung zu schätzen.

Im Oktober 2025 werden Christel und Norbert Dietrich schließlich innerhalb von 14 Tagen beide operiert. Den Anfang macht der 75-Jährige mit einem ambulanten Eingriff an der Schulter, bei dem Dr. Bendik alle drei beschädigten Sehnen erfolgreich und vollständig rekonstruiert sowie die Kalkablagerungen beseitigt. „Meine Frau konnte mich direkt wieder mit nach Hause nehmen und mich in den ersten Tagen unterstützen“, erinnert sich Norbert Dietrich. Rund zwei Wochen später erhält Christel Dietrich ihr neues künstliches Hüftgelenk und bleibt dafür einige Tage stationär auf der modernen und komfortablen Station Nord 6 des Klinikums. „Ich habe mich dort wirklich sehr wohlgefühlt“, erzählt sie. „Die Zimmer sind komplett renoviert, es gibt eine tolle Patientenlounge und alle Mitarbeitenden waren unglaublich freundlich. Dr. Bendik kam außerdem jeden Tag persönlich vorbei“, lobt Christel Dietrich das Team.

Bereits am Tag nach der Operation beginnt für sie die Mobilisation durch das Physiotherapie-Team. „Wir verfolgen ein Konzept der sehr frühen Mobilisation, damit unsere Patienten möglichst schnell wieder sicher auf die Beine kommen und gut vorbereitet in die Rehabilitation starten können“, erklärt Bendik. Im Falle von Christel Dietrich trifft das zu: Sie kann schnell aktiv an ihrer Rehabilitation teilnehmen und macht zügige Fortschritte. Währenddessen besucht ihr Mann sie regelmäßig: „Meiner Schulter ging es zu diesem Zeitpunkt schon wieder deutlich besser und ich kam zuhause gut alleine zurecht.“

Und tatsächlich erreichen die beiden auch ihr großes Ziel: Im Dezember 2025 geht es wie geplant wieder nach Spanien. Für Dr. Bendik ist genau das der wichtigste Erfolg: „Nicht nur der Urlaub an sich, sondern die Tatsache, dass die beiden gemeinsam diszipliniert auf dieses Ziel hingearbeitet haben. Solche Patienten mit maßgeschneiderten Therapiekonzepten zu begleiten und individuell zu unterstützen, macht unseren Beruf aus.“ Während das Hersfelder Ehepaar seine Zeit im warmen Süden genießt, bleiben auch die individuell angepassten und nachgeschickten Bewegungspläne ein fester Bestandteil des Alltags. „In den ersten Zumba-Stunden war ich noch etwas ängstlich und vorsichtig, aber schon bald konnte ich wieder normal mittanzen“, freut sich Christel Dietrich. Dem gesamten Team der Ortho können die beiden nicht genug danken: „Das Team hat sich derart individuell auf uns und unsere Pläne eingelassen, dass ein einfaches Danke gar nicht ausreicht. Das war nicht nur fachlich, sondern auch menschlich absolut klasse! Abschließend können wir sagen, dass unsere OPs den Campingurlaub in Spanien in keiner Weise negativ beeinflusst haben.“

 

➡️ zum Vortrag "Arthroskopische Möglichkeiten am Kniegelenk" von Ivan Jalba, Oberarzt der Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie

➡️ zum Vortrag "Egal ob Knie oder Hüfte. Ich bereite mich für meine Prothese vor!" von Dr. Philipp Dworschak, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie