Wie ein Kurzschluss im Gehirn

Von leichtem Kribbeln bis hin zur Bewusstlosigkeit: Epileptische Anfälle können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein und das Leben der Betroffenen mehr oder weniger stark beeinträchtigen. Etwa 400 000 „Anfallskranke“ – das heißt, chronisch an Epilepsie Erkrankte – gibt es in Deutschland.
Im Klinikum Bad Hersfeld werden fast jeden Tag Patienten betreut, die mit Verdacht auf einen epileptischen Anfall ins Krankenhaus kommen, so Prof. Dr. Markus Horn, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Geriatrie.

Epilepsie – was verbirgt sich hinter diesem Begriff?
Unterschieden werden muss zunächst einmal zwischen einem einzelnen epileptischen Anfall und der Epilepsie als chronischer Erkrankung. Im Volksmund ist häufig noch die Rede von Anfallsleiden oder Fallsucht. Symptome können Zuckungen und Verkrampfungen der Muskulatur mit oder ohne unterschiedlich ausgeprägten Beeinträchtigungen des Bewusstseins sein.
Ein einzelner Anfall ist laut Prof. Dr. Markus Horn noch nicht zwangsläufig Ausdruck einer Erkrankung, sondern zunächst das Symptom einer akuten elektrischen Störung des Gehirns. Ein Anfall, der wie ein epileptischer Anfall aussieht, kann sich unter bestimmten Provokationsfaktoren wie massivem Schlafentzug, Stroboskoplicht, Alkohol oder Drogen auch in jedem gesunden Gehirn entwickeln. Von einer Epilepsie als Erkrankung spricht man laut Horn bei einem wiederholten Auftreten unprovozierter epileptischer Anfälle.

Welche Art von Anfällen gibt es?
Epileptische Anfälle können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein, je nachdem welche Bereiche des Gehirns betroffen sind. Die sogenannten fokalen Anfälle sind eng lokalisiert und spielen sich bei normalem Bewusstsein ab. Es kann kurzzeitig zu Bewegungsauffälligkeiten ebenso wie Lautäußerungen oder Schwindel kommen. Generalisierte Anfälle erfassen hingegen das gesamte Gehirn und lösen komaähnliche Bewusstseinsstörungen aus. Die wohl ausgeprägteste Form ist der sogenannte große Anfall, ein tonisch-klonischer Anfall mit Verkrampfungen am ganzen Körper, Atempause und Bewusstseinsverlust, der bis zu zwei Minuten andauern kann. Ereignen sich mehrere derartige epileptische Anfälle in Serie, ohne dass zwischenzeitlich eine Normalisierung der Bewusstseinslage eintritt, spricht man von einem Status epilepticus. Hierbei handelt es sich um eine lebensbedrohliche Situation, und der Patient muss unverzüglich auf der neurologischen Intensivstation behandelt werden.

Welche Ursachen hat Epilepsie?
Ganz unterschiedliche Ursachen sind möglich. Bei kindlichen Epilepsien liegt in der Regel eine Art angeborener „Webfehler“ der Hirnentwicklung vor. In höherem Alter können zum Beispiel Schlaganfälle, Schädelhirntraumen, Vergiftungen und Entzündungen eine Epilepsie auslösen. Genetische Ursachen gibt es ebenfalls. Manchmal werden laut Horn trotz umfangreicher Untersuchungen keine strukturellen Hirnveränderungen gefunden.

Wer ist von Epilepsie betroffen?
Epilepsien können grundsätzlich in jedem Alter auftreten. Es gibt laut Horn aber zwei „Häufigkeitsgipfel“: zwei Drittel aller Betroffenen erkranken vor dem 20. Geburtstag, mit einer besonderen Häufung in den ersten fünf Lebensjahren. Der zweite Gipfel beginnt ab dem 60. bis 65. Lebensjahr.

Wie gefährlich sind epileptische Anfälle?
Nicht jeder Anfall ist an sich lebensbedrohlich. Gefährlich sind häufig die Umstände, unter denen sich ein Anfall ereignet, beispielsweise beim Autofahren, in der Badewanne und beim Schwimmen, bei der Arbeit auf Gerüsten und wenn der Betroffene unglücklich stürzt. Wenn sich ein epileptischer Status entwickelt und sich das Gehirn über einen längeren Zeitraum im epileptischen Erregungszustand befindet, liegt laut Horn eine hohe Sterblichkeit vor. Darüber hinaus kann eine Epilepsie das soziale Leben und das Berufsleben deutlich beeinträchtigen – sei es aus Scham, in der Öffentlichkeit einen Anfall zu erleiden oder aufgrund eingeschränkter Berufsunfähigkeit etwa bei Kraftfahrern und Handwerkern. Bei einer diagnostizierten Epilepsie gilt in der Regel für die Betroffenen ein gesetzliches Fahrverbot für zunächst ein Jahr. „Es gibt aber auch viele positive Beispiele von Patienten, die ein nahezu normales Leben führen können, wenn sie medikamentös gut eingestellt sind“, weiß der Neurologe.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Die Therapie richtet sich nach Art und Ursache der Erkrankung sowie individuellen Besonderheiten. Schon seit 1912 werden laut Horn Medikamente gegen Krampfanfälle beziehungsweise Epilepsie eingesetzt. In der Regel sei eine medikamentöse Langzeitbehandlung notwendig, bei der zum Teil zwei oder drei Präparate parallel eingenommen werden. Es gibt außerdem Medikamente, die in akuten Fällen sofort wirken. In bestimmten Fällen kann die anfallsauslösende Ursache auch epilepsiechirurgisch behoben werden.

Welche Hilfe ist bei einem Anfall zu leisten?
Wenn jemand einen Anfall erleidet, sollten Augenzeugen den Notarzt alarmieren und dafür sorgen, dass der Patient nicht stürzt oder sich aufgrund der unkontrollierten Krämpfe anderweitig verletzt. Oft setze auch die Atmung vorübergehend aus, weshalb die Betroffenen blau anlaufen, erklärt Horn. Wenn der Anfall ausklingt und sich der Körper wieder entspannt, ist der bewusstlose Patient in die stabile Seitenlage zu bringen. Was Helfer auf keinen Fall tun sollten, so Horn, ist dem Betroffenen Gegenstände oder gar Finger in den Mund zu stecken, um zu verhindern, dass der Patient seine Zunge verschluckt. Diese Befürchtung sei unbegründet und derartige Maßnahmen könnten zu schwerwiegenden Verletzungen führen. Es sei jedoch unvermeidlich, dass Betroffene sich während des Anfalls auf die Zunge beißen. Wie lange es dauert, bis sich nach einem großen Anfall das Gehirn wieder vollständig erholt hat, sei ganz verschieden.

Hintergrund

Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen
Regionale Epilepsie-Beratungsstelle und Epilepsie-Selbsthilfegruppen:

  • Epilepsie-Zentrum Hessen, Universitätsklinik Marburg/Lahn,
    Kontakt: Prof. Dr. Susanne Knake,
    Telefon 06421/586-5435
  • Epilepsie-Selbsthilfegruppe Schwalmstadt-Treysa,
    Kontakt: Bettina Dönges,
    Telefon 06691/22624
  • Epilepsie-Selbsthilfegruppe Kassel,
    Kontakt: Johann Scharfensteiner,
    Telefon 0561/7668440

Zur Person
PROF. DR. MARKUS HORN hat in Frankfurt und Würzburg studiert und war vor seinem Wechsel nach Bad Hersfeld in Bad Neuheim, Frankfurt/Main, Heidelberg und Regensburg tätig. Horn ist seit 2004 Chefarzt der Klinik für Neurologie und Geriatrie und seit 2008 auch Ärztlicher Direktor des Klinikums Bad Hersfeld. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Wippershain. (nm)

Hier finden Sie den Bericht aus der Hersfelder Zeitung vom 06.12.2017

Notfall und Akutversorgung

 Notfall- und Akutversorgung

Notfallversorgung

 Fragebogen Besucher, Fremdfirmen, Patienten (ambulant) "Corona"

Sofortige Aussetzung aller nicht dringend medizinisch notwendigen Behandlungen

Update Lage 20.03.2020 16:00 Uhr

Klinikum Bad Hersfeld
Die Psychiatrische Institutsambulanz ist in der ehemaligen Psy. Tagesklinik in Betrieb gegangen. Zugang und Zufahrt ist ausschließlich über die Straße am Wendeberg (Einfahrt über dem KfH Dialysegebäude) möglich. Es werden KEINE Patienten durch die Klinik geleitet
Lieferanten, Techniker und Vertreter werden an den Eingängen wie Besucher behandelt. Sie füllen den Fragebogen aus und die Zielstelle (Abteilung, Klinik, etc.) wird angerufen, ob Zutritt gewährt wird. Bei einem JA auf dem Fragebogen kann KEIN Zutritt gewährt werden

HKZ Rotenburg
- Gesonderte Anfahrt der Rettungsdienste für Covid-19  Patienten oder Verdachtsfälle
(Liegendeinfahrt des Kardiologischen Fachkrankenhauses)
- Zur Beschränkung des Besuchsverkehrs werden Besucherkontrollen vorbereitet

Klinik am Hainberg
Einführung einer restriktiven Besucherregelung für die KAH
- externe Besucher haben keinen Zutritt und werden über Aufsteller und Informationstafeln aufmerksam    gemacht.
- Kurier- und Postdienste müssen klingeln und Übergabe erfolgt im „Windfang“ der Haupteingangstür
- keine externe Beurlaubung für die Rehabilitand*innen, z. B zur Belastungserprobung.

Orthopädie
Das MVZ an der Orthopädie stellt seinen Betrieb ein. Patienten werden entweder im Klinikum oder im MVZ Bebra behandelt.
Am Mittwoch, 25.03. werden die bis dahin nicht entlassenen Patienten ins Klinikum verlegt. Die Klinik wird dann bis Freitag, den 27.03. für eine spätere Wiederinbetriebnahme bereit gemacht.