Wenn der Schädel verstopft ist

Schmerzen und Abgeschlagenheit: Wer nicht nur temporär, sondern immer wieder oder andauernd mit verstopften Nasennebenhöhlen zu kämpfen hat, leidet vermutlich unter einer chronischen Sinusitis. Wir haben mit dem Bad Hersfelder Hals-Nasen-Ohren-Facharzt Dr. Nedal Matar über das Thema gesprochen.

Nasennebenhöhlen – wo genau sind die eigentlich?
Vier Rechts-Links-Paarungen im Schädelknochen bilden die sogenannten Nasennebenhöhlen. Die bekanntesten sind die Kieferhöhlen (Sinus maxillaris), die an den Gaumen und Oberkiefer grenzen, und die Stirnhöhlen (Sinus frontalis) über den Augenbrauen. Eher unbekannt sind die sogenannten Siebbeinzellen (Sinus ethmoidalis), die zwischen den Augen liegen, sowie die Keilbeinhöhlen (Sinus sphenoidalis) im Zentrum des Schädels hinter der Nase. Sie sind unterschiedlich groß, aber alle umgeben die Nase und münden mit einer Öffnung in selbiger. „Die Nebenhöhlen machen den Schädel leichter, dienen der Belüftung und haben Einfluss auf den Stimmcharakter“, erklärt Hals-Nasen-Ohren-Facharzt Dr. Nedal Matar die Funktion.

Wie entstehen Entzündungen?
Wie die Nase sind auch die genannten Hohlräume mit einer eigentlich schützenden Schleimhaut ausgekleidet, die sich entzünden kann. Schuld daran sind Viren oder Bakterien, selten auch Pilze, die meist durch die Nase in die Nebenhöhlen gelangen. In der Folge wird der normale Abfluss gestaut und die Hohlräume verstopfen regelrecht. Eine chronische Sinusitis kann aber auch anatomische Ursachen haben, wie eine Verkrümmung der Nasenscheidewand oder eine vergrößerte Nasenmuschel. Auch Allergien können ursächlich für regelmäßige Entzündungen und Verstopfungen sein. Bei der Kieferhöhlenentzündung wirken sich wegen der räumlichen Nähe auch Zahnprobleme aus.

Welche Symptome treten auf?
Je nach allgemeinem Gesundheitszustand steckt der eine die Sinusitis besser weg als der andere. Sie äußert sich – je nach dem betroffenen Bereich – neben den üblichen Erkältungssymptomen wie laufender oder verstopfter Nase vor allem durch Druckschmerz im Gesicht. Dieser kann ständig auftreten oder bei Bewegung, vor allem beim Vorbeugen beziehungsweise Bücken. Häufig ist es morgens besonders schlimm, berichtet Dr. Matar. Handelt es sich um eine durch Viren hervorgerufene Entzündung, ist diese laut Matar in der Regel harmloser als wenn Bakterien Schuld sind. Den Haus- oder Facharzt aufsuchen sollten Betroffene, wenn mit gängigen „Hausmittelchen“ wie abschwellendem Spray, Nasendusche oder Inhalation nach einer Woche keine Besserung eintritt, oder wenn Fieber oder starke Schmerzen den Patienten quälen, rät der HNO-Experte.

Was unterscheidet die akute und die chronische Sinusitis?
Eine akute Nasennebenhöhlenentzündung tritt oftmals mit einem Schnupfen auf, wenn durch geschwollene Schleimhäute oder aus anatomischen Gründen, der Sekretabfluss gestört ist. Die Symptome sind meist heftiger, aber eben zeitlich begrenzt. Als chronisch, also dauerhaft, gilt die Sinusitis, wenn sie regelmäßig immer wieder oder andauernd auftritt und gesundheitliche Probleme bereitet. Allerdings kann eine chronische Sinusitis auch völlig beschwerdefrei verlaufen, sie wird dann meist zufällig entdeckt. Diagnostiziert wird sie heute standardmäßig und am zuverlässigsten mit Hilfe eines CTs (Computer-Tomographie). Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Wer ist von andauernder Nasennebenhöhlenentzündung betroffen?
Vor allem Erwachsene sind von chronischer Sinusitis betroffen, Kinder eher selten. Ein Grund ist, dass sich die Nebenhöhlen bis etwa zum 15. Lebensjahr noch entwickeln, erklärt Dr. Matar. Darüber hinaus sind eben Menschen mit entsprechenden anatomischen Besonderheiten, Allergien oder einer generell schlechten Konstitution besonders anfällig. Ob Mann oder Frau, alt oder jung, macht dabei keinen Unterschied.

Wie wird eine chronische Sinusitis behandelt?
Eingesetzt werden schleimlösende und abschwellende Medikamente in Form von Nasenspray, Salbe oder Tropfen. Linderung verschaffen können zudem salzhaltige Nasenduschen oder der Einsatz einer Infrarotlampe. Bei einer bakteriellen Infektion wird Antibiotika verschrieben. Bei starken Schmerzen sind laut Facharzt Nedal Matar Schmerzmittel notwendig. Liegen anatomische Ursachen zugrunde oder reichen konservative Therapien nicht (mehr) aus, hilft nur eine Operation als letztes Mittel.

Wie können Betroffene vorbeugen?
Wer von wiederkehrender Sinusitis betroffen ist, kann mit intensiven Pflegemaßnahmen und frischer Luft zumindest etwas vorbeugen. Gemieden werden sollten hingegen Rauchen und geschlossene Räume mit trockener oder verqualmter Luft. Im Übrigen wirkt sich laut Dr. Matar natürlich auch eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Trinken positiv auf die Gesundheit aus und hilft vorzubeugen. Wenn die ersten Symptome auftreten, sollten Betroffene rechtzeitig mit abschwellenden Spray (kurzzeitig) und Inhalation „gegensteuern“, die Nase einseitig und sanft putzen und ab und zu auch mal hochziehen.

Zur Person
DR. (SYR.) NEDALMATAR (46 Jahre) kommt aus Syrien und hat in Damaskus sein Medizinstudium absolviert. Nachdem er in seinem Heimatland zunächst als Internist tätig war, begann er 1998 seine Facharztausbildung für Hals-Nase-Ohren-Heilkunde am Klinikum in Bad Hersfeld. Nach einer kurzen  Zwischenstation in Suhl, ist er seit 2007 am MVZ am Markt in Bad Hersfeld tätig. Matar ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und drei Kindern im Alter von zehn bis 15 Jahren in Bad Hersfeld. Der 46-Jährige interessiert sich für Fußball und hört gerne Musik. (nm)

Bericht aus der Hersfelder Zeitung vom 01.02.2017

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