Wenn das Dopamin fehlt...

Parkinson-Erkrankte sind aufgrund eines Degenerationsprozesses im Gehirn in ihren Bewegungen gestört.

Langsame, steife Bewegungen, starkes Zittern und fehlende Mimik:
Geschätzte 240 000 bis 280 000 Menschen in Deutschland leiden laut der Deutschen Parkinson Vereinigung an der neurodegenerativen Erkrankung. Wir haben mit Prof. Dr. Markus Horn, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Geriatrie am Klinikum Bad Hersfeld, gesprochen.

Was ist Parkinson überhaupt?
Für diese Erkrankung gibt es verschiedene Namen, mehrheitlich spricht man laut Prof. Dr. Markus Horn vom idiopathischen oder primären Parkinsonsyndrom. Der Name geht auf den englischen Arzt James Parkinson zurück, der im 19. Jahrhundert in einem Aufsatz erstmals ein Krankheitsbild beschrieb, das er „Schüttellähmung“ nannte. Es handelt sich um eine chronische, also fortschreitende, degenerative Erkrankung des Gehirns.

Wie äußert sich die Krankheit?
Drei typische und auffällige Symptome (sogenannte Kardinalsymptome) sind verlangsamte und steife Bewegungsabläufe, Muskelstarre und das sogenannte Ruhezittern (Tremor). Auch ein maskenhafter Gesichtsausdruck mit fehlender Mimik ist bei Betroffenen häufig zu beobachten. In vielen Fällen verändern sich zudem die Stimme und die Handschrift. Sie wird leiser beziehungsweise kleiner. „Oft fällt so etwas nicht nur dem Betroffenen selbst, sondern auch dem Partner auf“, weiß Prof. Dr. Horn aus seiner Erfahrung mit Parkinson-Patienten. In der Regel wenden sich Betroffene zunächst an den Hausarzt, der sie dann zum Neurologen überweist. Die drei Kardinalsymptome können gleichmäßig oder unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Oft betreffen sie zunächst eine Körperseite, im weiteren Verlauf aber typischerweise beide Seiten.

Wie kann man Parkinson frühzeitig erkennen?
Vor den genannten Kardinalsymptomen können zum Beispiel Bewegungsstörungen im Schlaf auf eine beginnende Parkinsonerkrankung hinweisen. „Wenn Träume heftig ausagiert werden, der Betreffende beispielsweise regelmäßig im Schlaf um sich schlägt, werden wir hellhörig“, erklärt Horn. Auch Riechstörungen oder Verdauungsbeschwerden können den eigentlichen, typischen Symptomen vorangehen.

Welche Ursache haben die typischen Symptome?
Bei Parkinson handelt es sich laut Horn um einen fortschreitenden Nervenzellenuntergang aufgrund von Degenerationsprozessen im Gehirn. In einem bestimmten Abschnitt des Mittelhirns sterben hochspezialisierte Nervenzellen ab. Davon betroffen ist der wichtige Botenstoff (Neurotransmitter) Dopamin, der dann im System für die Bewegungssteuerung fehlt. „Die Veränderungen auf zellulärer Ebene sind geklärt, aber die eigentlichen Gründe für den Zelluntergang sind noch weitgehend unverstanden“, berichtet Horn.

Wer ist von Parkinson betroffen?
Betroffen sind Männer und Frauen fast gleichermaßen. Etwa zehn Prozent der Parkinsonpatienten sind jünger als 40 Jahre. Bis zu 30 Prozent sind jünger als 50 Jahre und bis zu 70 Prozent erkranken vor dem 70. Lebensjahr. „Das Alter an sich ist ein Risiko für neurodegenerative Erkrankungen“, erklärt Horn. Parkinson ist weltweit die zweithäufigste Erkrankung dieser Art nach Alzheimer.

Welche Folgen kann die Erkrankung haben?
Die Beeinträchtigungen der Motorik und der Koordination führen häufig zu Stürzen. Aber natürlich sind Betroffene je nach Schwere der Parkinsonerkrankung auch im Beruf und im Alltag eingeschränkt, was oft soziale Rückzugstendenzen hervorruft.

Wie wird Parkinson behandelt?
Heute stehen für die Therapie des Parkinson-Patienten eine Vielzahl von Medikamenten und Behandlungsverfahren zur Verfügung. Bei der klassischen Therapie wird das fehlende Dopamin durch Medikamente ersetzt oder der Abbau des körpereigenen Dopamins gehemmt, um die Symptome zu mildern beziehungsweise zu kontrollieren. Weitere Ansätze sind aktivierende Therapien im Rahmen von Krankengymnastik, Logopädie und Ergotherapie. Dabei werden zum Beispiel der Gang und das Gleichgewicht trainiert, die Stimme ausgebildet und die Feinmotorik geschult. Noch relativ neu ist und bisher nur bei sehr schweren Fällen angewendet wird die Tiefenhirnstimulation über einen „Hirnschrittmacher“. Dafür werden Elektroden ins Gehirn implantiert. Für Patienten mit Schluckbeschwerden, denen die Medikamenteneinnahme schwerfällt, gibt es eine Pumpe, die Dopamin über eine Sonde in der Bauchwand direkt in den Dünndarm zuführt. Derzeit ist es zwar noch nicht möglich, Parkinson zu heilen, aber eine auf den Patienten zugeschnittene Behandlung kann die Lebenswerwartung und die Lebensqualität deutlich steigern.

Zur Person

PROF. DR. MARKUS HORN ist 55 Jahre alt und seit 2004 am Klinikum in Bad Hersfeld tätig. Er hat in Frankfurt und Würzburg studiert und war vor seinem Wechsel nach Bad Hersfeld in Heidelberg und Regensburg beschäftigt. Horn ist Chefarzt der Klinik für Neurologie und Geriatrie und seit 2008 auch ärztlicher Direktor. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Wippershain.

Hintergrund

Selbsthilfegruppe in Bad Hersfeld
Ihr 25-jähriges Bestehen feiert in diesem Jahr die Parkinson-Selbsthilfegruppe Bad Hersfeld. Sie ist Mitglied in der Deutschen Parkinson Vereinigung und wurde vom ehemaligen Leiter der Friedrich-Fröbel-Schule, Dr. Helmut Trümner, gegründet. Die Schule dient der zurzeit 25 Mitglieder fassenden Gruppe deshalb auch immer noch als Treffpunkt. Vorsitzende ist seit einigen Jahren Mette Eichmann, die 2007 die Diagnose Parkinson erhielt. Die Gruppe trifft sich jeden Mittwoch um 15.30 Uhr zur Gymnastik mit einer Physiotherapeutin und anschließender Gesprächsrunde zu aktuellen Themen in der Turnhalle der Fröbel-Schule an der Vitalisstr. 9.
Zu Beginn der Gesprächsrunden finden im Wechsel zudem Sprech- oder Stimmtrainings, Atem- und Entspannungsübungen oder auch Singen und Tanzen statt. Weiterhin werden Informationsveranstaltungen, sonstige Aktivitäten oder Ausflüge angeboten.
Kontakt: Mette Eichmann, Telefon 06621/77809
(Foto,Text: nm)

pdf Bericht aus der Hersfelder-Zeitung vom 13.04.2016