Verkauf des HKZ hängt am "Ja" des Klinikums

Verhandlungen dauern an - Rhön-Klinikum soll Käufer sein

Der Verkauf des Herz- und Kreislaufzentrums Rotenburg (HKZ) zieht sich hin. Der angepeilte Termin Ende September ist verstrichen. Offenbar fehlt für den Abschluss die Zustimmung des Klinikums Bad Hersfeld. Als Käufer der renommierten Spezialklinik ist das Rhön-Klinikum im Gespräch. HKZ-Aufsichtsratschef Peter Klufmöller erklärte auf Nachfrage lediglich, dass noch die Entscheidung eines Mitgesellschafters der HKZ-Betriebsgesellschaft ausstehe. Er hoffe auf eine positive Entscheidung noch in diesem Monat und will mit allen Beteiligten Gespräche führen. Neben der Pergola KG, der die Immobilien des HKZ gehören, sind noch Kardiologie-Chefarzt Prof. Dr. Christian Vallbracht (fünf Prozent) und das Klinikum Bad Hersfeld (12,5 Prozent) an der Betriebs-KG beteiligt. Sie steht selbst gar nicht zum Verkauf, ihre Gesellschafter haben aber ein Vorkaufs- und Vetorecht bei der Übernahme der HKZ-Mutter Pergola. Martin Ködding, Geschäftsführer des Klinikums Bad Hersfeld, wollte den Vorgang mit Verweis auf eine Vertraulichkeitsvereinbarung nicht kommentieren. Nach Informationen unserer Zeitung hängt die Zurückhaltung aufseiten des Klinikums mit den parallel laufenden Fusionsverhandlungen zwischen Klinikum und Kreiskrankenhaus Rotenburg zusammen. Diese sind zuletzt ins Stocken geraten. Ursprünglich hatten alle drei Kliniken im Kreis über eine Fusion verhandelt. Seit Anfang August ist nur noch ein Interessent im Rennen um das HKZ – mutmaßlich das Rhön-Klinikum. Die Börsenzeitung hat kürzlich gemeldet, dass der Klinik-Konzern, dessen Hauptaktionär die B. Braun AG in Melsungen ist, am Kauf von Spezial- und Akutkliniken interessiert sei, namentlich des HKZ. Konzernsprecher Achim Struchholz wollte derartige Marktgerüchte auf Nachfrage nicht kommentieren.

Erst ging es um eine Fusion der drei Krankenhäuser in Hersfeld-Rotenburg. Dann stellte sich das Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg (HKZ) zum Verkauf. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Warum steht das HKZ überhaupt zum Verkauf?
Die renommierte Fachklinik für Kardiologie, Herzchirurgie und Neurologie steckt seit zwei Jahren in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Wichtige ausländische Kunden aus Russland und Libyen blieben weg. Alle Sparanstrengungen halfen nicht, um in die Gewinnzone zu kommen. Zugleich drücken die Schulden aus der Insolvenz 2001, die noch über 20 Millionen Euro ausmachen. Deshalb kann kaum Geld in die bauliche Infrastruktur gesteckt werden. Das über 40 Jahre alte Haus muss dringend saniert werden, obwohl die medizinische Ausstattung top ist. So kann es nicht weitergehen, sodass sich das HKZ Anfang Februar selbst zum Verkauf angeboten hat.

Was hat das mit der Fusion der Kliniken im Kreis zu tun?
Die Verhandlungen um die Kreislösung, also eine Fusion von Klinikum Bad Hersfeld, HKZ und Kreiskrankenhaus, bilden den Rahmen des jetzigen Verkaufs. Wegen der komplizierten Eigentümerverhältnisse schien ein Kauf des privaten HKZ durch das Klinikum die einzige Chance für die Fusion zu sein, die angeblich alle Seiten favorisiert haben. Allerdings konnten sich Klinikum und Kreiskrankenhaus mit ihrem gemeinsamen Angebot nicht gegen die finanzstarke private Konkurrenz durchsetzen. Seit Mitte Juni sind sie aus dem Rennen.

Und wer soll das HKZ jetzt kaufen?
Seit Anfang August verhandelt das HKZ – streng genommen die Muttergesellschaft Pergola, der die Immobilien gehören – nur noch mit einem Interessenten. Bestätigt ist es nicht, aber alles spricht für das Rhön-Klinikum. Der private Klinik-Konzern gehört zu 18,01 Prozent dem Melsunger B. Braun-Konzern und ist auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten. Das hat Finanzvorstand Jens-Peter Neumann kürzlich der Börsenzeitung erzählt. Nachdem das Rhön-Klinikum 2014 in einem Megadeal 40 seiner 50 Kliniken für drei Milliarden Euro an die Helios-Gruppe verkauft hat, interessiert sich der Konzern nur noch für Spezialkliniken. Das HKZ passt genau in dieses Anforderungsprofil, und offenbar sind sich beide Seiten auch schon einig.

Und warum darf das Klinikum jetzt noch mitreden?
Das hat mit den Folgen der Insolvenz des HKZ im Jahr 2001 zu tun. Damals legte das Land Hessen Wert darauf, dass die neue Krankenhausgesellschaft mit anderen Häusern verflochten wird. So erhielten das Klinikum Bad Hersfeld 7,5 Prozent der Anteile an der Betriebs-Gesellschaft und das Klinikum Kassel fünf Prozent, die im Nachhinein auch noch dem Krankenhaus in Bad Hersfeld zugeschlagen wurden. Auch die beiden Chefärzte Professor Dr. Christian Vallbracht (Kardiologie) und PD Dr. Hartmut Oster (Herzchirurgie) wurden mit je fünf Prozent beteiligt. Oster gab seine Anteile bei seinem Ausscheiden aus dem Haus 2012 zurück. Somit hält die Pergola-KG jetzt 87,5 Prozent an der Betriebsgesellschaft, das Klinikum 12,5 Prozent und Vallbracht noch fünf Prozent. Sie alle haben ein Mitspracherecht, wenn sich die Eigentumsverhältnisse am HKZ maßgeblich ändern, wie womöglich jetzt bei einem Verkauf der Pergola.

Hintergrund

„Interessantes Angebot“
Nach Angaben des HKZAufsichtsratsvorsitzenden Peter Klufmöller hat der verbliebene Kaufinteressent ein „sehr interessantes Angebot für unser Haus vorgelegt“. Es werde die Arbeitsplätze vor Ort sichern und dem Herz- und Kreislaufzentrum eine gute Zukunft ermöglichen. Klufmöller hatte erklärt, dass der Käufer eine mindestens dreijährige Beschäftigungsgarantie für die Angestellten des HKZ und eine Investitionszusage für das über 40 Jahre alte Haus abgeben müsse. Außerdem sollten die rund 800 Kommanditisten nicht leer ausgehen. Sie müssten sonst für Restschulden aus einer Insolvenz des HKZ im Jahr 2001 in zweistelliger Millionenhöhe aufkommen. (mcj)

pdf Artikel aus der Hersfelder-Zeitung vom 02.10.2015

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