Unterwegs als Krankenhausengel

Immer mittwochs kommt Gertrud Kampen aus Sorga ins Klinikum Bad Hersfeld um „ihren Patienten“ zur Seite zu stehen. Als Ehrenamtliche der „Grünen Damen“ hat sie für jeden Patienten auf ihrer Station ein offenes Ohr und steht ihnen in schweren Zeiten zur Seite. Die engagierte 75-Jährige wurde Teil der Institution „Grüne Damen“, als sich diese vor 32 Jahren gründete. Schon damals war Kampen im Gesangsverein und der evangelischen Glaubensgemeinschaft aktiv. Neben dem Ehrenamt besetzt Kampen das stellvertretende Amt der Patientenfürsprecherin im Klinikum Bad Hersfeld.

Als aktive und engagierte Christin lag es Kampen nahe, nicht nur von christlicher Nächstenliebe zu sprechen, sondern sie auch zu praktizieren. „Die Zeit, die ich hier verbringe, gehört ganz meinen Patienten“, sagt die Ehrenamtliche. Auf der Station der Gefäßchirurgie besteht ein enges und vertrautes Verhältnis zwischen der Grünen Dame und dem Pflegepersonal. Auch zu dem ein oder anderen wiederkehrenden Patienten baut sich ein engeres Verhältnis auf. Wenn der „Krankenhausengel“ oder die „gute Seele des Hauses“, wie Kampen von ihren Patienten liebevoll genannt wird, das Zimmer betritt, stellt sich direkt eine positive Stimmung ein.

Oft ist es für die Patienten hilfreich, jemanden zu haben, um sich auszutauschen oder einen Schicksalsschlag zu verarbeiten. Während der langen Zeit, die Kampen nun schon als Grüne Dame im Klinikum unterwegs ist, hat sie bereits viele Lebensgeschichten und Schicksale erlebt.

Schicksale gehen nahe
Dieses Ehrenamt, bringt eine emotionale Belastung mit sich: „Tür zu und Schluss gibt es nicht“, sagt sie. Das Positive überwiegt jedoch in den Augen Kampens. Die Patienten zeigen Dankbarkeit und freuen sich, wenn die Grüne Dame für „einen Mull voll zu schwätzen“ vorbeikommt. Das ist für sie eine große Bestätigung ihrer Arbeit. Kampen möchte erreichen, weitere engagierte Menschen für das Ehrenamt und die Tätigkeit der Grünen Damen zu gewinnen und aufmerksam zu machen, denn der Nachwuchs fehlt. Trotz all der schweren Schicksale und traurigen Geschichten, die Kampen Woche für Woche erlebt, hat sie nie daran gedacht, das Ehrenamt aufzugeben. Deshalb sagt sie auch: „Solange Gott mir die Kraft und Gesundheit gibt, mache ich weiter.“

Hintergrund
Die grünen Damen im Klinikum Hersfeld Die Institution der „Grünen Damen“ wurde 1985 von der damaligen Klinikpfarrerin Gertrud Matthias gegründet. Im Jahr 1989 eröffnete man die Patientenbibliothek. Etwa 30 ehrenamtliche „Grüne Damen“ betreuen die Patienten im Klinikum Bad Hersfeld. Sie fungieren dabei sowohl als Zuhörerinnen und Ratgeberinnen für die Patienten. (lh)

Bericht aus der Hersfelder Zeitung vom 05.09.2017

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