"Störenfriede" mit Bedeutung

Am Klinikum Bad Hersfeld werden jährlich etwa 200 Kinder an den Gaumen- oder Rachenmandeln operiert

Wenn kleine Kinder wegen entzündeter oder vergrößerter Mandeln Beschwerden haben, hilft oft nur eine  Operation. Am Klinikum Bad Hersfeld arbeiten die Kinder-Klinik und die HNOKlinik in solchen Fällen eng zusammen. Wir sprachen mit Chefarzt Prof. Dr. med. Peter R. Issing als Facharzt für HNO-Heilkunde und Dr. med.  (syr.) M. Ghiath Shamdeen, Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin.

Wofür sind die Mandeln eigentlich da, wenn wir sie offenbar gar nicht unbedingt brauchen?

„Die brauchen wir sehr wohl, sonst hätten wir sie nicht“, sagt Prof. Dr. Peter Issing. Die Mandeln gehören zum Abwehrgewebe im Mundrachen. Zu unterscheiden sind die Gaumenmandeln die paarweise links und rechts im  Gaumenbogen angeordnet sind, und die Rachenmandeln, auch Polypen genannt. Diese befinden sich sozusagen eine Etage höher am Hinterausgang der Nase.

Welche Operationen sind zu unterscheiden?

Zu unterscheiden sind die komplette Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie), die Teilentfernung oder  Kappung der Gaumenmandeln (Tonsillotomie) und die Polypenentfernung (Adenotomie).

Wann ist eine Mandel-OP bei Kindern notwendig?

Die Polypenentfernung wird durch die Symptome und Beschwerden des Kindes bestimmt. Wenn ein Kind zum Beispiel immer schlecht schläft, weil es wegen vergrößerter, geschwollener Rachenmandeln unter Atemnot leidet und nach Luft ringt, oder schlecht hört, weil die „Belüftung“ der Ohren nicht mehr richtig funktioniert, kann eine  Operation helfen. Da sich zwischen zwei und drei Jahren die Sprache entwickelt, können Kinder, die schlecht  hören, in ihrer Sprachentwicklung beeinträchtigt sein. Dann ist laut Dr. Issing eine gewisse Dringlichkeit geboten. Die Gaumenmandeln werden entfernt, wenn ein Kind mindestens fünf Mal im Jahr unter wiederkehrenden eitrigen, bakteriellen Entzündungen leidet. Auch entzündete Gaumenmandeln können zu Atemnot führen oder die  Ausbildung des Gaumens beeinträchtigen, wenn ein Kind ständig mit offenem Mund atmet. Eine chronische Streptokokken-Infektion der Mandeln ruft zudem eine Immunantwort hervor, die die Herzklappen oder die Nieren  schädigen kann.

Eine Teilentfernung kommt in Frage, wenn schlicht und einfach die Größe der Mandeln zu Beschwerden führt. Im  Normalfall sind die Mandeln bei Kindern kirsch- bis pflaumengroß. Da die Mandeln in den ersten Lebensjahren für die Funktion des Immunsystems wichtig sind, werden solche Indikationen aber äußerst zurückhaltend gestellt.

Wie alt sind die Patienten am Klinikum?

Die Polypen-Patienten sind meist noch im Kindergartenalter ab zwei Jahren. Die „Mandel-Kinder“ gehen meist schon in die Schule und sind zwischen sechs und acht Jahren alt.

Verläuft eine solche Operation bei Kindern anders als bei Erwachsenen?

Im Prinzip läuft die Operation unter Vollnarkose genauso ab, wie bei Erwachsenen – zumindest technisch. Bei einer Teilentfernung wird am Klinikum Bad Hersfeld mit einem Laser oder Radiofrequenz gearbeitet. Bei einer  Komplettentfernung werden die Mandeln aus den Gaumenbögen herausgeschält. Besonders wichtig ist es bei  Kindern, das Blutungsrisiko abzuklären. Die Polypen werden am Klinikum ambulant entfernt, wenn die Familie im Umkreis von 20 Minuten wohnt. Bei diesem Eingriff sind Nachblutungen seltener. Die Teil- oder Komplettentfernung der Gaumenmandeln erfolgt stationär. Bei einer Teilentfernung müssen die jungen Patienten zwei bis drei Tage im  Krankenhaus bleiben, bei einer Komplettentfernung etwa fünf Tage.

Welche Risiken gibt es bei der Operation?

Ein Risiko sind Nachblutungen. Gerade bei Komplettentfernungen werden die Kinder deshalb für einige Tage überwacht. Anfangs leiden die Patienten auch unter Schluckbeschwerden. „Nach 36 Stunden sind die meisten  Kinder wieder relativ fit“, weiß Dr. med. Ghiath Shamdeen. Eine Vollnarkose ist natürlich immer ein Risiko, und gerade bei Kindern mit Infekten ist besondere Expertise gefragt.

Was müssen Eltern nach dem Eingriff beachten?

In der ersten Woche bis zur Kontrolle sollten Eltern ihren Kindern viel zu trinken und weiche Kost geben. Die Kinder sollten sich schonen und nicht sportlich betätigen. Eltern sollten außerdem darauf achten, ob es kontinuierliche Nachblutungen gibt, und dann sofort in die Klinik fahren. Besser zur früh, als zu spät.

Wieviele Mandel-OPs werden jährlich am Klinikum vorgenommen?

Im Klinikum Bad Hersfeld werden circa 200 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren operiert – zusammen  gerechnet für die unterschiedlichen Mandel-OPs.

Es wird immer wieder kritisiert, dass zu oft unnötig operiert wird. Was sagen die Ärzte am Klinikum dazu?

Dr. Shamdeen weist darauf hin, dass es mehrere „Kontrollinstanzen“ gibt. Die meisten Kinder kommen über den niedergelassenen Kinderarzt und einen niedergelassenen Hals-Nasen-Ohren-Arzt ins Klinikum. Die Entscheidung über eine Operation treffe kein Arzt allein. Manche Eltern kritisierten vielmehr, wenn noch nicht operiert werden soll, so Dr. Issing.

Die Experten

Prof. Dr. med. Peter R. Issing,
Facharzt für HNO-Heilkunde, plastische Operationen, Allergologie, Umweltmedizin, Palliativmedizin und spezielle HNO-Chirurgie.

Dr. med. (syr.) M. Ghiath Shamdeen,
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Neuropädiatrie und Neonatologie

Quelle: Hersfelder Zeitung/Maaz

pdf Artikel aus der HZ 1. Oktober 2014

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