Sozialer Gewinn statt Kapitalrendite

Das Klinikum ist ein bedeutender Standortfaktor im Kreisgebiet

Das Klinikum Bad Hersfeld ist ein ganz wesentlicher Baustein für die lokale Daseinsvorsorge – gerade im ländlichen Raum. Wohl jeder, der hier lebt, hatte auf die eine oder andere Art schon Kontakt zum Klinikum.
Geschäftsführer Martin Ködding beantwortet im Wirtschaftsjournal die am häufigsten gestellten Fragen.

Der Kreistag hat sich kürzlich einstimmig zur kommunalen Trägerschaft des Klinikums Bad Hersfeld bekannt. Warum?
In der kommunalen Trägerschaft kommt der Erfolg unserer Arbeit den Menschen in der Region unmittelbar zugute. Wir erfüllen im Rahmen der Daseinsvorsorge den Sicherstellungsauftrag des Landkreises für die stationäre Gesundheitsversorgung und sind als gemeinnützige Einrichtung nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet.

Wir müssen nicht Stellenabbau betreiben, um für Aktionäre oder Kommanditisten eine möglichst hohe Rendite zu  erwirtschaften. Natürlich müssen auch wir sparsam mit den Ressourcen umgehen, denn der wirtschaftliche Druck im Gesundheitswesen ist groß. In den Krankenhäusern, in denen für die Beschäftigten das Gehalt nach Tarif gezahlt wird, ist es besonders schwierig, weil alle Kliniken die Patienten-Behandlungen nach einheitlichen Beträgen abrechnen, egal, ob sie die Beschäftigten nach Tarif bezahlen oder nicht.

Bedeutet das Stillstand in Ihrem Klinikum?
Nein, ganz und gar nicht. Wir haben in den letzten drei Jahren etwa 30 Millionen Euro investiert. Damit wurde ein weiteres Bettenhaus mit modernen 1- und 2-Bettzimmern errichtet. Außerdem konnten wir unsere Küche völlig neu bauen. Ein wichtiges Anliegen für uns, da Küchenhygiene und hochwertige Speisenzubereitung heute wichtiger sind denn je.

Ein besonderer Gewinn für unser Klinikum ist bei dieser Baumaßnahme aber die neue Intensivstation mit Stroke-Unit und Intermediate-Care-Bereich. In diesem neuen Bereich arbeiten Kardiologen und Neurologen zusammen und versorgen die Intensiv- und Schlaganfallpatienten hoch qualifiziert rund um die Uhr. Diese gemeinsame Struktur dürfte einmalig sein in der Region.

Gibt es auch schon neue Bauplanungen?
Demnächst soll der Bau eines Parkhauses mit etwa 220 Stellplätzen direkt am Eingang des Klinikums beginnen, sodass die Patienten und Besucher dann ganz kurze Wege haben. Außerdem werden wir im nächsten Jahr mit der Sanierung des letzten älteren Gebäudeteils beginnen und auch dort noch einmal moderne Strukturen mit Bettenzimmern und Funktionsräumen schaffen. Insgesamt werden in den nächsten zwei bis drei Jahren noch einmal rund 30 Millionen Euro investiert.

Sind diese enormen Investitionen wirklich notwendig?
Einerseits bieten wir unseren Patienten einen zeitgemäßen Standard in Zwei-Bett-Zimmern mit Dusche und WC. Gute Funktionsabläufe, kurze Wege und transparente Strukturen sind wichtig für die Beschäftigten, aber auch für die Patienten. Und: die Hygiene!

So selbstverständlich die Einhaltung der Hygieneregeln für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch ist, so sind doch auch die entsprechenden baulichen Voraussetzungen wichtig. Dabei unterstützen uns die qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Abteilung für Klinikhygiene, die einen hohen Stellenwert im Klinikum hat. Andererseits hat sich das Leistungsangebot des Klinikums weiterentwickelt, sodass wir erhöhten Raumbedarf haben.

Wie genau hat sich das Leistungsangebot weiterentwickelt?
Neben der neuen Intensivstation mit Schlaganfallspezialeinheit wurde eine Abteilung für multimodale Schmerztherapie eröffnet. Hier werden Patienten mit chronischen Schmerzen von Ärzten und Therapeuten aus den verschiedenen Fachgebieten behandelt. Dabei kommt dem Patienten die breite fachliche Aufstellung des Klinikums zugute. Im Zentrum für klinische Geriatrie wurden kürzlich die Behandlungskapazitäten um 30 Prozent erhöht, in der Viszeralmedizin arbeiten Gastroenterologen und Chirurgen eng zusammen, das Level-II-Zentrum für Frühgeborene wird zwischen Frauenklinik und Kinderklinik betrieben, im Traumazentrum arbeiten die Fachärzte aus vielen Abteilungen zusammen, um Unfallverletzte kompetent, schnell und umfassend zu versorgen. Mit diesem breiten Behandlungsspektrum und den vielen Fachabteilungen sind wir das einzige Krankenhaus zwischen Kassel, Fulda, Erfurt und Gießen/Marburg.

Mussten Sie angesichts der angespannten Finanzsituation auch Kündigungen aussprechen?
Nein, auch wir müssen aufgrund der unzureichenden Refinanzierung Personal reduzieren, konnten dies aber durch normale Fluktuation erreichen. Da wir die Themen Risikovorsorge, Gefahrenabwehr und Hygiene für besonders wichtig halten, betreiben wir viele Bereiche noch selbst, die in anderen Kliniken bereits ausgegliedert, also an private Firmen vergeben sind. So betreiben wir zum Beispiel unser Labor, Technik, Küche und unseren Reinigungs- und  Versorgungsdienst mit eigenen Mitarbeitern, auch wenn diese tariflich höher vergütet werden, als die Beschäftigten in Drittfirmen. Aber: Sicherheit geht vor, gerade in einem Krankenhaus.

Können Sie denn auch weiter nach Tarif zahlen?
Die sogenannte „Tarifschere“ geht für die tarifgebundenen, also insbesondere die kommunalen Krankenhäuser jedes Jahr weiter auseinander, weil die Tarifsteigerungen nur unvollständig durch die Krankenkassen refinanziert werden. Viele Krankenhäuser in der Region haben bereits Sondertarifverträge oder Sanierungsregelungen. In  privaten Kliniken gibt es oft deutlich günstigere Haustarifvertäge. Andere Kliniken privatisieren alle möglichen Bereiche, die wir im Klinikum aus den genannten Gründen noch in eigener Regie haben. Um die Arbeitsplätze und die Tarifverträge erhalten zu können, bleibt dann manchmal nur noch die Möglichkeit, die Tarife vorübergehend  abzusenken. Dies geht aber nur durch entsprechende Vereinbarungen mit den Gewerkschaften. Wir suchen, wie  andere Kliniken auch, mit den Gewerkschaften hierzu das Gespräch.

Was tun Sie im Bereich der Ausbildung?
Wir haben die Zahl unserer Ausbildungsplätze leicht erhöht. Wir bilden in den Pflegeberufen, im medizinischen Bereich, in den kaufmännischen oder technischen Berufen aus. Gemeinsam mit Hochschulen bieten wir duale Studiengänge zum Beispiel in der Diätetik oder der Pflege an. Als Akademisches Lehrkrankenhaus beteiligen wir uns an der Ausbildung der Medizinstudenten der Justus-Liebig-Universität in Gießen. In unsererem Institut für  Gesundheitsberufe werden außerdem Fachweiterbildungen, wie etwa die Weiterbildung in der Intensivpflege angeboten, in die wir umliegende Kliniken mit einbinden.

In den deutschen Krankenhäusern gibt es immer mehr ausländische Ärzte, die noch nicht ausreichend gute Deutschkenntnisse haben. Wie gehen Sie damit um?
Das deutsche Gesundheitswesen ist auf qualifizierten Nachwuchs aus dem Ausland angewiesen. Wir bieten seit Jahren einen „Deutsch-Integrationskurs“ im Klinikum an, der regelmäßig wöchentlich stattfindet und der neben der Vermittlung der Sprachkompetenz auch integrative Inhalte hat, z.B. durch gemeinsame Alltagsaktivitäten, Besuch von Kunst- oder Kulturveranstaltungen.

Wie wichtig ist das Klinikum als Standortfaktor für den Kreis?
Mit etwa 1 800 Beschäftigten und 150 Auszubildenden ist die Klinikum-Gruppe einer der großen Arbeitgeber und  Ausbildungsbetriebe in der Region. Wir haben mit unseren Tochtergesellschaften, der Klinik am Hainberg, der Orthopädischen Klinik und den Medizinischen Versorgungszentren eine Lohnsumme von etwa 80 Millionen Euro, die in der Region zu entsprechender Kaufkraft führt. Mit unserem Unternehmen und den verschiedenen sozialen Einrichtungen, wie z.B. dem Frühförderzentrum, der häuslichen Krankenpflege und der Palliativversorgung schaffen wir auch eine wichtige soziale Rendite.

Wird tatsächlich in allen Bereichen des Klinikums Geld verdient?
Nicht alle Bereiche im Gesundheitswesen sind profitabel. In der Summe unserer Angebote wollen wir es uns aber  weiter leisten können, für die Menschen in der Region da zu sein, auch wenn es sich „nicht rechnet“. Das ist unser  Anspruch, dafür arbeiten wir, Kapitalrendite ist nicht alles!

In den vergangenen Wochen wurde viel über regionale Fusionsmöglichkeiten diskutiert. Was sagen Sie dazu?
Die Krankenhäuser in Deutschland stehen seit vielen Jahren unter wirtschaftlichem Druck. Deshalb ist die Idee  entstanden, eine osthessische kommunale Krankenhausgesellschaft aus den Kliniken in Alsfeld, Fulda und Bad Hersfeld zu gründen. Außerdem hat der Kreistag beschlossen, auch die Möglichkeiten einer kreisinternen Fusion zu prüfen. Eine solche Lösung würde dazu führen können, dass wir uns nicht mehr untereinander Konkurrenz machen, dass wir die medizinischen Angebote im Landkreis abstimmen und damit das hochwertige wohnortnahe Angebot  nicht nur erhalten, sondern vielleicht im Zusammenwirken der drei Krankenhäuser sogar ausbauen können.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Klinikums?
Ich wünsche mir, dass die Bundesregierung, unsere Gesundheitspolitiker erkennen und verstehen, dass die anspruchsvolle, anstrengende Arbeit in Kliniken angemessen honoriert werden muss und dass man den Kliniken, die in die Notfallversorgung eingebunden sind, das dafür notwendige Geld zur Verfügung stellt. Die andauernde Kostendämpfungspolitik, die Bürokratisierung der Medizin machen mürbe, demotivieren und tragen dazu bei, dass es immer schwieriger wird, guten Nachwuchs zu finden. Daher sollte soziale Rendite statt eine Kapitalrendite das Motto für unser Gesundheitswesen sein.

Zur Person

MARTIN KÖDDING (58 Jahre) wurde in Frankenau im Landkreis Waldeck-Frankenberg geboren.
Er ist gelernter Industriekaufmann und staatlich geprüfter Betriebswirt. Seit 1986 ist er beim Klinikum Bad Hersfeld, seit 1996 hat er den Geschäftsführer-Posten inne. Ködding ist verheiratet und wohnt in Bad Hersfeld.
In seiner Freizeit ist er gerne an der frischen Luft aktiv, zum Beispiel beim Radfahren oder Laufen. (nm)

 pdf Artikel aus dem Wirtschaftsjournal "Starke Unternehmen"

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Tel. 06621 / 88 1001
Fax 06621 / 88 1033

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