Schmerzfrei nach rund einem Jahrzehnt

64 Jahre ist Jan Molinski heute. Die letzten zehn Jahre hat er vor allem mit einer Erkrankung verbracht: Nach einer Blinddarmentzündung kam es zu Darmverschlüssen und Brüchen in der Bauchwand. Es folgten mehrere Operationen, unter anderem in Wiesbaden, Bingen und Polen: „Heute geht es mir gut, aber es war ein langer Weg“. Im Winter 2010 merkt Jan Molinski, der damals gerade ein Jahr in Deutschland lebte, dass er Schmerzen in der Leiste hat. Diese wurden so groß, dass er und seine Tochter den Krankenwagen rufen mussten. Für sie ein sicheres Zeichen, dass es dem sonst so rüstigen Handwerker schlecht geht. In der Notaufnahme in Wiesbaden konnten die behandelnden Ärzte schnell feststellen, dass es sich um einen sogenannten perityphlitische Abszess handelte: Eine Entzündung des Blinddarms, bei der sich außerdem ein Abszess (Eiteransammlung) gebildet hatte – dieser drohte zu platzen. Leider sollte die Operation nicht die erhoffte Erleichterung bringen. Kurz nach seiner Rückkehr nach Polen kommt es zu einem Darmverschluss, die frische Wunde öffnet sich und die Bauchdecke liegt offen da. Schnell tritt eine Blutvergiftung ein, sodass er erneut notoperiert werden muss. Mehrere Wochen liegt er damals auf der Intensivstation und erinnert sich: „Das war eine sehr deprimierende Zeit, da ich über viele Tage hinweg mit Schmerzen leben musste – ob bedingt durch Komplikationen oder nach den Operationen“. Auch Monate später soll sich für den technischen Mitarbeiter keine Verbesserung einstellen. Erneut kommt es zu starken Schmerzen.

In der Notaufnahme stellen die Ärzte fest, dass die Klammern sich gelöst hatten und es zu einem Narbenbruch gekommen war. Zur Behandlung wurde ihm ein Netz in die Bauchdecke eingesetzt. Diese Behandlung musste Jahre später sogar noch einmal wiederholt werden, da sich erneut Brüche in der Bauchdecke gebildet hatten. Diese zehn Jahre waren für Jan Molinski insgesamt von vielen Veränderungen geprägt. Besonders aus beruflicher Sicht sollte sich keine Routine für den heute 64-Jährigen einstellen. „Durch die Operationen und schmerzbedingten Ausfälle konnte ich kaum einen Beruf länger als ein halbes Jahr ausüben – entweder habe ich den Arbeitsplatz verloren oder musste von selbst gehen“, berichtet er heute. Vor allem die Untätigkeit machte dem gelernten Schlosser in dieser Zeit zu schaffen: „Ich bin ein echtes Arbeitstier, wie man in Deutschland sagt. Ich packe gerne mit an und habe Spaß daran, wenn ich abends sehen kann, was ich am Tag alles geschafft habe.“ Die wiederkehrenden Schmerzen im Bauch und die Angst, durch körperliche Belastung wieder Komplikationen zu verursachen, haben sein Leben stark eingeschränkt.

Erneuter Schock

Zehn Jahre waren mittlerweile vergangen, seit die Blinddarmentzündung der Ursprung seiner bisherigen Krankheitsgeschichte war. In 2020 bei einem Besuch in Polen folgte dann der erneute Schock: Wiederholt war es zu einem Darmverschluss und einem Narbenbruch gekommen, wieder war die Bauchwand durchbrochen. Das „Loch“ diesmal so groß wie ein Briefumschlag. Es folgten eine erneute Notoperation und ein mehrwöchiger Aufenthalt im Krankenhaus. Nachdem die behandelnden Ärzte ihm hier zunächst keine erfolgsversprechenden Aussichten zu seiner weiteren Behandlungen geben konnten, suchte er ebenfalls seinen Facharzt in Bingen auf. Doch auch der befürchtete, dass nach einer weiteren Operation schon bald wieder eine Notfallsituation eintreten könnte oder Jan Molinski einen künstlichen Darmausgang brauchen würde. Er empfahl seinem Patienten, eines der in Deutschland zertifizierten Zentren für Hernien (zu Deutsch „Bruch in der Bauchwand“) aufzusuchen.

Sein Schwiegersohn war es schließlich, der die Papiere und Befunde nach Bad Hersfeld zum Team von Chefarzt PD Dr. med. Peter Vogel schickte. Die Abteilung für Allgemein-Viszeral-Minimalinvasive Chirurgie am Bad Hersfelder Klinikum hat von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie schon mehrfach das Zertifikat als Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie erhalten. Der leitende Oberarzt der Abteilung, Jochen Wiegand, nahm sich seiner Krankheitsgeschichte an. „Was mich überzeugt hat, war die Tatsache, dass Herr Wiegand mir nicht nur einen, sondern drei mögliche Wege gezeigt hat. Nach den bisherigen Erlebnissen war das natürlich ein echter Lichtblick“, erinnert sich Jan Molinski. Doch auch Jochen Wiegand sah zu diesem Zeitpunkt die Behandlung im Allgemeinen kritisch. Die bisherige Geschichte und die Berichte seiner Kollegen aus Bingen hatten klar aufgezeigt, dass sein Patient sich in einer ernsten Situation befand. „Solch ein Eingriff in dieser Form gehört sicherlich nicht zu den Standards. Auch ich war mir zu Beginn nicht sicher, ob eine einzige Operation hier ausreichend und sinnhaft ist oder ob in zwei Schritten die Bauchwand wieder umfangreich rekonstruiert werden sollte. Wichtig war jedoch, dass die Bauchmuskulatur des Patienten noch gut in Takt war und damit körpereigene Reserven genutzt werden konnten“, erklärt Jochen Wiegand.

Bereit, alles zu tun
Letztendlich überzeugt haben ihn aber Jan Molinski und sein Charakter selbst. „Herr Molinski kam hierher und wollte Hilfe. Er war bereit, alles dafür zu tun und auch noch einmal die Belastungen einer Operation zu ertragen. Er hat mir als Mediziner vertraut. Ich wollte natürlich alles dafür tun, dass es das letzte Mal Schmerzen sein sollten“, so der behandelnde Arzt. Als Vorteil betrachten sowohl Oberarzt Jochen Wiegand als auch sein Patient die medizinischen Möglichkeiten eines größeren Krankenhauses, wie des Hersfelder Klinikums. „Hier im Klinikum Bad Hersfeld haben wir auch die notwendigen Intensivbereiche, die im Rahmen der Durchführung größerer Eingriffe immer einmal notwendig werden können. Außerdem kann ich den Austausch mit Kollegen aus anderen Fachbereichen direkt im Krankenhaus suchen und bin daher in einer anderen Situation als mein Kollege in Bingen es unter Umständen war“, betont Wiegand. Gerade Patienten mit komplizierten Krankheitsverläufen empfiehlt er, interdisziplinäre Medizinerteams aufzusuchen. Der Eingriff in Bad Hersfeld, seine fünfte und letzte Operation, verlief sehr gut. In einer mehrstündigen Operation konnten Jochen Wiegand und sein Team die Bauchdecke wieder umfangreich herstellen. Mit einer speziellen Technik, der sogenannten Komponentenseparation, wurde seine Bauchdecke wieder rekonstruiert und mit einem Netz verstärkt. „Rund eine Woche lag ich damals in Bad Hersfeld im Krankenhaus. Das ganze Team hat sich sehr gut um mich gekümmert. Ich wusste, dass Herr Wiegand und ich das gemeinsam schaffen konnten“, erzählt Jan Molinski.

Zurück im Alltag
Heute, rund ein halbes Jahr nach der letzten Operation, geht es ihm sehr gut. Beschwerden habe er nur noch ganz selten bei größerer Belastung. „Eigentlich lebe ich jeden Tag, ohne an meinen Bauch zu denken – ich kann wieder arbeiten, wenn auch nicht mehr so intensiv wie früher“, schmunzelt der Rentner, der nebenbei eine Hausmeistertätigkeit ausübt. Dass er eine gute Prognose für die Zukunft hat, weiß er jedoch genauso wie die Tatsache, dass durchaus erneut Komplikationen auftreten können. „Ich achte auf mich und weiß, dass ich bei Beschwerden meinen Hausarzt oder auch wieder Jochen Wiegand aufsuchen kann“, sagt Jan Molinski beruhigt.

Auch das Sodbrennen kann mit einem Bruch zu tun haben

Wenn Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt, entsteht das unangenehme Sodbrennen – der gastroösophageale Reflux. In westlichen Industrieländern ist das Sodbrennen heutzutage eine Volkskrankheit, unter der Millionen Menschen leiden.

Was viele nicht wissen: Der Reflux ist oft die Folge eines Zwerchfellbruches. Das Zwerchfell grenzt den Bauchraum vom Brustraum ab und bietet der Speiseröhre eine kleine Lücke, sodass diese vom Mund ausgehend in den Magen münden kann. Ist diese Lücke nun zu groß, kann der Magen durch sie hindurch in den Brustraum rutschen. Der natürliche Schließmechanismus wird gestört und kann nun das Rücklaufen des sauren Magensaftes in die Speiseröhre nicht mehr verhindern – es kommt zum Sodbrennen. Werden dabei noch die Stimmbänder gereizt, kommt Heiserkeit oder der Zwang, sich zu räuspern hinzu. Auch kann es zu schwerwiegenderen Komplikationen kommen, wie Asthma.

Halten diese Beschwerden über einen langen Zeitraum an und wird der entstandene Bruch nicht behandelt, so wird die Speiseröhre durch den sauren Magensaft langfristig geschädigt. Es kommt zu Entzündungen oder auch zu einer Umwandlung der Schleimhaut der Speiseröhre zu der des Magens – ein Schritt hin zum Speiseröhrenkrebs.

Refluxzentrum Osthessen

Im Klinikum Bad Hersfeld werden Patienten mit Sodbrennen seit Beginn des Jahres 2019 im Refluxzentrum Osthessen behandelt. Hier arbeiten Fachärzte für Gastroenterologie, Chirurgie und Radiologie zusammen und betreuen gemeinschaftlich Patienten. „Damit sind wir fachbereichsübergreifend in der Lage, für den jeweiligen Patienten die beste Therapieempfehlung zu ermitteln“, so PD Dr. Vogel. Natürlich bedarf eine zielgerichtete Behandlung auch einer spezialisierten Diagnostik. So ist vor allem die Magenspiegelung ein erster Schritt, um Entzündungen in der Speiseröhre, einen Zwerchfellbruch oder auch Speiseröhrenkrebs zu diagnostizieren. Hinzu kommt die sogenannte pH-Metrie, mit der die Säure innerhalb der Speiseröhre gemessen wird. Als weiterer Baustein kann eine Manometrie eingesetzt werden. Dabei wird der Druck innerhalb der Speiseröhre gemessen. Dies gibt Aufschluss über mögliche Bewegungsstörungen oder eine Überfunktion des Schließmechanismus. Damit kann nicht nur der Reflux nachgewiesen werden, sondern auch weitere Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden wie beim Reflux auslösen können.

Medikamente gegen Sodbrennen

Das unangenehme Sodbrennen kann mit Medikamenten behandelt werden. Am wirksamsten sind so genannte Protonenpumpeninhibitoren, kurz PPI. Sie sorgen dafür, dass der Magensaft weniger sauer ist. In einigen Fällen jedoch können diese Medikamente nicht helfen. Studien zufolge leiden ca. 3 Millionen Patienten trotz Einnahme der Medikamente weiterhin unter Beschwerden. Hier kann entweder auf andere Medikamente zurückgegriffen werden oder ein operativer Eingriff erfolgen. Dieser wird minimalinvasiv durchgeführt. Während Medikamente nur Beschwerden lindern können, wird durch den operativen Eingriff der Zwerchfellbruch, also die Ursache der Beschwerden, beseitigt. Im Refluxzentrum Osthessen wurden bislang über 300 Patienten*innen diagnostiziert und behandelt. Bei etwa der Hälfte von ihnen wurde ein minimalinvasiver Eingriff angeraten und durchgeführt. Auch nach der Behandlung bietet das Refluxzentrum seinen Patienten eine umfassende Nachsorge an. Nur so kann der langfristige Erfolg einer jeden Behandlung überprüft und möglicherweise das Vorgehen angepasst werden.

Hier finden Sie den Artikel aus der Hersfelder Zeitung vom 10.07.2021

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