Profis in der Notaufnahme

In Notaufnahmen geht es oft um Minuten. Um den Andrang besser nach medizinischer Dringlichkeit zu ordnen, hat das Klinikum Bad Hersfeld jetzt die ersten drei Krankenpfleger zu sogenannten Notfallpflegern weiterbilden lassen. Sie sind die Ersten im Landkreis. Weitere sollen bis Ende des Jahres folgen. Auch in den Notaufnahmen im HKZ und im Kreiskrankenhaus in Rotenburg werden Notfallpfleger ausgebildet. Sie entscheiden mithilfe eines standardisierten Systems, wer sofort behandelt werden muss und wer erst noch im Wartezimmer Platz nehmen kann. (ses)

Klinikum hat die ersten Notfallpfleger

Das Klinikum Bad Hersfeld hat die ersten drei Krankenpfleger im Landkreis zu sogenannten Notfallpflegern ausbilden lassen: Moritz Bettenhäuser-Peter (30) aus Rotenburg, René Tolle (32) aus Obergeis und Nicole Jonik (44) aus Berka (Wartburgkreis).
„Bis Ende des Jahres werden wir 18 Notfallpfleger im Klinikum haben“, sagt Pflegedienstleiterin Martina Eisenacher.
Hintergrund ist eine Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, dem höchsten Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands, die im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist. Derartige Richtlinien müssen die Krankenhäuser umsetzen.
Eine bestimmte Anzahl von Notfallpflegern pro Krankenhaus ist laut Eisenacher nicht vorgesehen. „Mindestens sollte der Leiter der Notaufnahme ein Notfallpfleger sein, wir wollen aber so viele Mitarbeiter wie möglich weiterbilden.“ Notfallpfleger, die in 170 Stunden Theorieunterricht weitergebildet werden und mindestens über fünf Jahre Berufserfahrung in der Notaufnahme verfügen müssen, sollen mit einer schnellen Ersteinschätzung dabei helfen, die Beschwerden der Patienten in der Notaufnahme gezielter zu ordnen.
Die Patienten werden nicht der Reihe nach behandelt, sondern nach medizinischer Dringlichkeit. Die Notfallpfleger entscheiden unter anderem mithilfe des sogenannten Manchester-Triage-Systems (siehe Hintergrund), wer sofort zum Arzt muss und wer erst im Wartezimmer Platz nimmt. „Die Weiterbildung gibt
nicht nur den Patienten mehr Sicherheit, sondern auch den Pflegern in ihrer täglichen Arbeit“, sagt Eisenacher. Moritz Bettenhäuser-Peter bestätigt das: „50 Patienten in unserer Notaufnahme pro Tag sind keine Seltenheit, da ist es elementar wichtig, stets ruhig zu bleiben und strukturiert zu arbeiten.“ Die Weiterbildung, die er im Sana-Klinikum Offenbach absolviert hat, „hilft da enorm, weil ich einfach viel mehr über Notfallmanagement weiß als vorher.“ Dieses Wissen wirke sich auch positiv auf den Patienten aus, ist sich der 30- Jährige aus Rotenburg sicher.

Die Kosten für die Weiterbildung übernehmen die Krankenhäuser. Nach Angaben von Marcus Ries, Pflegedirektor im Klinikum, belaufen sich die Seminarkosten auf rund 1600 Euro pro Weiterbildung Im Herz-Kreislauf- Zentrum, das auch über eine Notaufnahme verfügt, soll es ebenfalls bald Notfallpfleger geben, sagt Klinikumsprecher Werner Hampe. Das Rotenburger Kreiskrankenhaus lässt bereits zwei Krankenpfleger zu Notfallpflegern weiterbilden, zwei weitere sollen bis Ende des Jahres folgen.

Hintergrund
Wie dringend es ist, zeigt die Farbe an
Die Ersteinschätzung der Behandlungsdringlichkeit geschieht in vielen Krankenhäusern nach dem Manchester-Triage-System. Das standardisierte Verfahren für Notaufnahmen unterscheidet nach fünf Dringlichkeits-Farben.
Rot: Sofortige Behandlung. Alle anderen Tätigkeiten werden dafür unterbrochen.
Orange: Sehr dringend. Die Behandlung sollte innerhalb von 10 Minuten eingeleitet werden.
Gelb: Dringend. Innerhalb von 30 Minuten sollte die Behandlung eingeleitet werden.
Grün: Normal. Vorgesehene Zeit bis zur Behandlung: 90 Min.
Blau: Nicht dringend. Empfohlen wird eine Behandlung innerhalb von 120 Minuten. (ses)

Hier finden Sie den Bericht aus der Hersfelder-Zeitung vom 17.03.2019

Notfallversorgung

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