Ozon für die Bandscheibe

Am Klinikum Bad Hersfeld werden Bandscheibenvorfälle neuerdings mit dem minimal-invasiven Verfahren der  Chemonucleolyse mit Ozon behandelt. Der leitende Abteilungsarzt Dr. Nedal Hejazi erläutert, wie es funktioniert.

Was ist überhaupt ein Bandscheibenvorfall?

Bandscheibenvorfälle sind die häufigsten Erkrankungen an der Wirbelsäule. Die Bandscheibe besteht aus einem faserartigen harten Ring und einem gallertartigen weichen Kern. Deshalb ist die Wirbelsäule auch beweglich. Wenn der Kern etwa durch Abnutzung härter wird, kann der Ring reißen und der Kern stülpt sich aus. Weil in diesem Bereich der Wirbelsäule aber auch viele Nerven verlaufen, besteht die Gefahr, dass diese abgeklemmt werden.

Wie äußern sich dann die Beschwerden?

Durch Rückenschmerzen oder Schmerzen in den Beinen. Es kann aber auch zu Ausfallerscheinungen und Lähmungen oder Taubheit im Bein kommen. Im schlimmsten Fall kann auch die Kontrolle der Harnblase davon betroffen sein. Dann muss sofort operiert werden. Bei einem frischen Bandscheibenvorfall, wenn das Gewebe noch relativ weich ist, kann man allerdings auch ohne Operation, etwa durch Krankengymnastik oder gezielten  Muskelaufbau, einiges bewirken.

Bei welchen Patienten wird die Chemonucleolyse angewandt?

Es handelt sich dabei um einen minimal-invasiven Eingriff unter örtlicher Betäubung. Er wird vor allem bei jüngeren Patienten angewendet, denen man keine große Wirbelsäulen-Operation zumuten möchten. Das Verfahren kommt  vor allem bei frischen Bandscheibenvorfällen in Frage, bei denen es noch keine akuten neurologischen Ausfälle  gibt.

Wie funktioniert das Verfahren genau?

Nucleolyse heißt Kernauflösung. Dabei wird ein chemischer Prozess in Gang gesetzt. Man sticht dazu von der Seite in die Bandscheibe. Der betreffende Bereich wurde zuvor örtlich betäubt, so dass die Patienten davon nichts  spüren. Die Nadelspitze muss genau im Kern der Bandscheibe sitzen. Das wird mit einem Computertomografen überprüft. Dann wird ein Gemisch aus Ozongas genau in den Bandscheibenkern injiziert. Das führt dazu, dass der Kern der Bandscheibe durch das Gas aufgelöst wird und von innen zerfällt. Dadurch zieht sich der ausgestülpte Kern wieder zurück und die Nervenwurzeln sind wieder frei.

Wie sind die Erfolgschancen?

Die Behandlungsmethode wurde ursprünglich in Italien entwickelt. Dort wurden auch entsprechende Studien  gemacht, wonach 75 Prozent der so behandelten Patienten sofort nach der Chemonucleolyse beschwerdefrei sind. Allerdings ist der Erfolg nicht dauerhaft, sondern hält meist nur sechs Monate oder ein Jahr. Der Vorteil ist aber, dass diese Behandlung beliebig oft wiederholt werden kann.

Was ist eigentlich Ozongas?

Ozon ist ein sehr nützliches Mittel. Es wird hauptsächlich zur Entkeimung von Trinkwasser und zum Desinfizieren genutzt. Es ist völlig ungefährlich. Es hat eine entzündungshemmende und abschwellende Wirkung und wird  deshalb auch in die betroffenen Muskelpartie gespritzt.

Welche Risiken und Nebenwirkungen hat die Chemonucleolyse?

Sehr wenige. Es besteht vereinzelt die Möglichkeit, dass Patienten eine allergische Reaktion zeigen. Deshalb bleiben die Patienten nach dem Eingriff auch immer eine Nacht zur Beobachtung im Klinikum.

Gibt es Patienten, für die die Chemonucleolyse nicht in Frage kommt?

Ja. Patienten mit großen Ausfallerscheinungen, die die Kontrolle über die Harnblase verloren haben oder ihr Bein  nicht mehr bewegen können, können so nicht behandelt werden. Sie müssen schnell operiert werden, sonst stirbt  der Nerv ab.

Nehmen die Rückenbeschwerden und die Bandscheibenvorfälle zu?

Ja, und die Patienten werden zudem noch immer jünger. Das liegt vor allem an der gesellschaftlichen Entwicklung.  Es wird immer mehr im Sitzen gearbeitet, es fehlt an Bewegung. Diese Fehlhaltung führt dazu, dass die Bandscheiben schneller abgenutzt werden.

Wie kann man Bandscheiben- Beschwerden vorbeugen?

Wichtig ist es, die Rückenmuskulatur zu stärken, weil das die Bandscheiben entlastet. Gewichtheben würde ich aber nicht empfehlen, weil das eher die Wirbel staucht. Besser sind leichte Übungen zur Stärkung der Muskulatur oder  auch Schwimmen. Wenn man allerdings akute Schmerzen hat, dann sollte man keinen Sport treiben. (kai)

Zur Person
Privat-Dozent DR. NEDAL HEJAZI (47) wurde in Palästina geboren. Er ist mit 18 Jahren nach Deutschland  gekommen und hat in Heidelberg Medizin studiert. Seine Facharztausbildung zum Neuro-Chirurgen hat er in  Duisburg und an der Uni-Klinik in Münster absolviert. Danach hat Dr. Hejazi in Österreich als Facharzt gearbeitet  und habilitiert. Seit fünf Jahren arbeitet Dr. Hejazi als Leiter der Abteilung für Neurochirurgie am Klinikum Bad  Hersfeld. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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