Ohne Voranmeldung geht es gleich zum Arzt

Eine positive Bilanz des vor einem Jahr neu organisierten Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) zieht Dr. Eckart Auel, Obmann der niedergelassenen Ärzte im Kreis. Die Anbindung einer neuen zweiten Bereitschaftsdienstzentrale ans Rotenburger Kreiskrankenhaus habe sich bewährt, und die Belastung der Ärzte durch die Dienste sei erheblich gesunken.

Allerdings landen Patienten, die sich außerhalb der üblichen Praxis-Sprechzeiten unter der bundesweit gültigen Telefonnummer 116 117 Hilfe holen wollen, oft in einer Warteschleife. Grund seien die zahlreichen Anfragen, für die die Mitarbeiter nicht zuständig sind. Die Nummer sei keine Auskunftei, etwa für die Frage nach einer nachts  geöffneten Apotheke, sondern diene denjenigen, die außerhalb der Sprechzeiten einen Arzt benötigen, erklärte Auel.

Die Bereitschaftsdienstzentralen in Bad Hersfeld am Markt und in Rotenburg am Kreiskrankenhaus könnten zu den Öffnungszeiten (siehe Hintergrund) auch ohne Voranmeldung direkt aufgesucht werden, sagte Auel. Seit der Neustrukturierung des ÄBD zum 1. April 2014 muss kein Arzt mehr Dienste leisten, wenn er dies nicht möchte, da es genug Freiwillige gibt.

Die Zahl der Dienste für den einzelnen Arzt hat sich verringert, und sie werden besser vergütet. lm Kreisteil Rotenburg werden jetzt die meisten Dienste von Ärzten übernommen, die am KKH als Assistenzärzte tätig sind. Die Bereitschaftsdienstzentrale in Bad Hersfeld soll bis Sommer 2016 vom Markt ins Klinikum umziehen. Dies wird aber noch so lange dauern, bis das geplante Parkhaus gebaut ist. Geschäftsführer Martin Ködding erläuterte, es fehlten bislang die Parkmöglichkeiten vor der Tür. Im Bettenhaus West ist die untere Etage für den ÄBD vorgesehen.  Derzeit befindet sich noch die Internistische Notaufnahme dort.

Auch nachts kommt Hilfe

Die Ärzte auf dem Land seien mit dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) sehr zufrieden. Das erklärte Dr. Eckart Auel, Obmann der niedergelassenen Ärzte im Kreis Hersfeld-Rotenburg, nach einem Jahr der Neuregelung. Viele Ärzte geben inzwischen ihre Dienste an Kollegen ab, die sie freiwillig übernehmen. Im Kreisteil Rotenburg versehen nur noch vier Mediziner von 30 ihre Dienste selbst. Die Bereitschaftsdienste galten zuvor als einer der Gründe,  weshalb junge Ärzte so zögerlich Praxen im ländlichen Raum übernehmen wollten.

Zum Teil schlecht erreichbar

Für die Patienten sei der Bereitschaftsdienst allerdings zum Teil schlecht erreichbar, weil die bundesweit gültige Rufnummer 116 117 als Auskunftei für allerlei Anfragen genutzt werde. Dazu sei sie aber nicht gedacht. Sie dient vielmehr dazu, dass Patienten im Falle einer plötzlichen Erkrankung auch Hilfe außerhalb der Sprechzeiten der Ärzte bekommen.

Auel: „Sind gut aufgestellt“

Über die Tel.Nr. 116 117 kann auch nachts ein Arzt angefordert werden, wenn Patienten nicht bis zum nächsten Tag warten können. Dann ist im gesamten Kreisgebiet ein Arzt unterwegs, um die Patienten zu Hause zu besuchen. Einer reiche völlig aus, erklärte Auel. „Für den ländlichen Raum sind wir gut aufgestellt.“ An den Wochenenden steht den Patienten neben der Bereitschaftsdienstzentrale in Bad Hersfeld auch eine in Rotenburg am Kreiskrankenhaus (KKH) zur Verfügung. Die Zentrale ist zwar am KKH eingebunden, jedoch formal getrennt,  erklärte KKH-Geschäftsführer Reiner Schickling. Der Dienst werde – wenn personell möglich – separat organisiert.

Die meisten niedergelassenen Ärzte sind froh, dass wir die Dienste übernehmen“, sagte Schickling. Die  Bereitschaftsdienstzentrale sei an den Wochenenden gut besucht. Einige nutzten aber den Dienst, um nicht in einer Praxis auf einen Termin warten zu müssen. Dies sei so nicht vorgesehen.

Infrastruktur nutzen

Von Vorteil ist laut Schickling, dass die Infrastruktur des KKH genutzt werden könne, wenn dies erforderlich sei, etwa, wenn eine Röntgenaufnahme gemacht werden müsse. Jeder zweite Patient wäre laut Schickling ohnehin in die Notfallaufnahme des KKH gekommen. Schickling sprach von einer Kehrtwende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die die Reform des ÄBD in die Wege geleitet hat. Inzwischen wolle man die Krankenhäuser  gerne einbinden. Viele Assistenzärzte des KKH, beziehungsweise des Medizinischen Versorgungszentrums des KKH, übernähmen die Dienste der niedergelassenen Ärzte, was diese entlaste, aber zu einer Belastung der KKH-Ärzte führe.

Nicht für echte Notfälle

Der Ärztliche Bereitschaftsdienst ist nicht für lebensbedrohliche Erkrankungen gedacht. In diesen Fällen sollte über die Telefonnummer 112 Hilfe gerufen werden.

Das sagt die Kassenärztliche Vereinigung (KV)

Mit der Neuregelung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) sehr zufrieden. „Die Dienste lassen sich sehr gut besetzen. Das war unser Hauptziel, dass die Dienste keine große Last mehr für die Ärzte sind und die Patienten gut versorgt werden“, erklärte KV-Sprecherin Petra Bendrich.

Zur Anbindung der Zentrale in Rotenburg an das Kreiskrankenhaus sagte sie, die Raumfrage sei eine Abwägung. Prinzipiell könne sich die KV eine gemeinsame ÄBD Zentrale/Notfallambulanz vorstellen, wenn Krankenhaus und ÄBD eng verzahnt werden könnten. Bisher sei dies aber oftmals nicht der Fall gewesen, „weil es zwischen den  Akteuren auch mal menschelt und die Sektorentrennung in den Köpfen ausgeprägt ist“.

Die KV sieht auch die Chance, dass sich mit der Neuregelung wieder mehr junge Ärzte für den ländlichen Raum interessieren. Für Hersfeld-Rotenburg könne man sagen: „Mission erfüllt“. (Foto,Text: Schankweiler-Ziermann)

Hintergrund

Während der folgenden Zeiten können Patienten die Bereitschaftsdienstzentralen bei akuten Erkrankungen ohne telefonische Anmeldung aufsuchen:

Bad Hersfeld, Am Markt 18

  • täglich von 21 bis 22 Uhr
  • Mittwoch und Freitag auch von 16 bis 18 Uhr
  • Samstag, Sonn- und Feiertage auch von 10 bis 13, 16 bis 18 Uhr

Rotenburg im Kreiskrankenhaus (Tel. 06623 / 86700)

  • Samstag, sonn-, feiertags 9 bis 13, 16 bis 20 Uhr

Kinderärztlicher Notdienst im Klinikum Hersfeld

  • Samstag, sonn- und feiertags 9 bis 13 Uhr

in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kinderärzten, außerhalb dieser Zeiten sind die Ärzte des Klinikums für Notfälle da.

pdf Artikel aus der HZ v. 03.03.2015

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