Neue Operationsmethode im HKZ

Krallt sich im Gewebe fest

„Es fühlt sich in etwa so an, als ob man mit einer Nadel ein Papierblatt durchsticht“, sagt Dr. Pawel Staszewicz und lächelt. Der Eingriff, den der Kardiologe beschreibt, sorgt bei Normalsterblichen für weiche Knie. In der medizinischen Fachwelt ist das Durchstechen der Vorhofscheidewand im menschlichen Herzen mittlerweile Alltag. Für die neue Operationsmethode, die das Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg (HKZ) seit einiger Zeit anbietet, ist die Punktion der Herzscheidewand zwingend erforderlich. Denn nur so kann das so genannte Vorhofohr in der linken Herzkammer verschlossen werden. Mit diesem Eingriff werden Risikopatienten, die unter Vorhofflimmern leiden und Blutverdünner nicht vertragen, wirkungsvoll vor Schlaganfällen geschützt.

Was passiert bei einem Vorhhofflimmern?
„Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen“, erklärt Dr. Staszewicz, „Allein in Deutschland leiden rund zwei Millionen Menschen darunter. Dabei steigt die Herzfrequenz auf 200 Schläge pro Minute. Durch den hohen Puls sinkt die Pumpleistung des Herzens. Dennoch ist Vorhofflimmern selbst nicht lebensgefährlich.“ Lebensbedrohlich kann es dennoch werden. Denn im Bereich des so genannten „Vorhofohrs“, eines kleinen Kanals in der linken Herzkammer, können sich während des Flimmerns Blutgerinnsel bilden. Diese können einen Schlaganfall auslösen.

Wie wurde sonst behandelt?
Üblicherweise werden Patienten, die unter Vorhofflimmern leiden, mit Blutverdünnern, behandelt und so künstlich zu „Blutern“ gemacht. Mit dieser Maßnahme verhindert man die Bildung der gefährlichen Blutgerinnsel.
Der Nachteil: Durch die Blutverdünnung kommt es bei einem Teil der Patienten zu Komplikationen wie Blutungen im Magen, im Darm oder sogar im Gehirn.

Wie funktioniert die neue Methode?
Bei der neuen Methode des Vorhofohrverschlusses wird ein „Occluder“, also eine Art Schirmchen, mit einem Katheter über die Vene durch die Vorhofscheidewand in den linken Vorhof geschoben und dort exakt platziert. Dieses Schirmchen verschließt das Vorhofohr. In der Folge können sich dort keine Blutgerinnsel mehr bilden, wenn es zum Vorhofflimmern kommt. „Die Schirmchen, die jetzt eingesetzt werden, minimieren das Risiko und sind nach meiner Einschätzung extrem sicher. Schließlich wollen wir unseren Patienten ausschließlich hochwertige und ausgereifte Behandlungsmethoden anbieten“, sagt der 45-jährige Kardiologe. Im Gegensatz zu den Vorläufermodellen krallt sich ein heute im HKZ eingesetzter Occluder mit Widerhaken im umliegenden Gewebe fest. Innerhalb von 45 Tagen ist er dann vollständig damit verwachsen.

Wie sind die Erfahrungen mit der neuen Methode?
„Das Operationsrisiko ist vergleichbar mit einer normalen Katheteruntersuchung“, sagt Dr. Staszewicz. Allerdings erfordert die Methode einen erfahrenen Kardiologen mit sehr viel Übung, der das Schirmchen präzise am Vorhofohr platziert. Operiert wird unter Vollnarkose. Das HKZ hat bislang hervorragende Erfahrungen mit der Operationsmethode gemacht:
Bei keinem einzigen Patienten, der sich dem Eingriff unterzogen hat, sind Komplikationen oder Blutungen aufgetreten. Allen geht es nach dem Eingriff sehr gut – und Blutverdünner benötigen sie jetzt nicht mehr. (red/lad)

Bericht aus der Hersfelder Zeitung vom 08.09.2016

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