Es geht um eine große Zukunft

Alles neu am Rotenburger HKZ? Das Zentrum für Herz- und Lungenmedizin (CPM) soll ein Projekt von internationaler Bedeutung sein. Wir haben mit dem Sprecher des Führungsteams, Prof. Dr. Dr. Friedrich Grimminger, über die Kooperation mit der Uniklinik Gießen und Marburg und dem Kerkhoff-Institut in Bad Nauheim, die Stimmung der HKZ-Mitarbeiter und sein besonderes Projekt in luftiger Höhe gesprochen.

Herr Grimminger, zieht es Sie zum Arbeiten eigentlich auf Berge?
PROF. DR. DR. FRIEDRICH GRIMMINGER: Angesichts der Lage der beiden Krankenhäuser in Hersfeld und Rotenburg eine gute Frage. Unabhängig von dem herausgehobenen landschaftlichen Standort des HKZ, finde ich es wegen seiner strukturellen Bedeutung und wegen seiner medizinischen Spitzenposition interessant. Die bergige Landschaft ist vielleicht ein unterbewusstes Motiv.

Die Frage spielt darauf an, dass Sie schon mal am Mount Everest ein Labor eingerichtet haben.
GRIMMINGER: Ja, das existiert immer noch in Tibet auf 6000 Metern Höhe. Wir sind dort in der Höhenforschung aktiv. Es geht dabei aber um die Breitenmedizin: Der Sauerstoffmangel in extremen Höhen spiegelt genau die Situation wieder, in der sich Patienten mit schweren Lungenkrankheiten befinden. Man kann an Extrembergsteigern Tests durchführen, die unsere Patienten nicht tolerieren würden. Zuletzt wurde dort ein neues Therapieverfahren entwickelt, für das das Höhenteam mit dem Zukunftspreis der Bundesrepublik ausgezeichnet wurde.

Jetzt steht mit dem Uni-Klinik-Netz ein Großprojekt in unserer Region bevor. Mussten Sie lange überlegen, da Verantwortung zu übernehmen?
GRIMMINGER: Es ist meine Überzeugung, dass man die Kompetenzen der einzelnen Krankenhäuser in der Hochleistungsmedizin bündeln muss. Die Architektur des Gesundheitssystems wird sich in den nächsten Jahren grundlegend an die völlig neuen Herausforderungen anpassen. Diese sind zum einen politischer Natur, denken Sie nur an die neue gesetzliche Anforderung der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen. Aber sie sind ganz wesentlich auch medizinischer Natur: Die Menschen werden älter und haben häufig verschiedene Erkrankungen gleichzeitig, das erfordert mehr Kooperationen und eine Umorganisation der traditionellen Krankenhausstruktur. Lungenerkrankungen betreffen fast immer das Herz und umgekehrt. Diesem Umstand muss mehr Rechnung getragen werden. Das am HKZ nach der Übernahme jetzt leichter das moderne standortübergreifende Konzept umgesetzt werden kann ist eine historische Chance. Hier musste man mich nicht lange überreden, mitzumachen.

Wie oft werden Sie selbst überhaupt hier vor Ort sein können?
GRIMMINGER: Gerade am Anfang ist das ein Full-Time-Job. Wir sind jetzt schon seit einem halben Jahr jeden Tag damit beschäftigt, Pläne zu entwickeln, mit den Schlüsselakteuren zu reden und mit den kooperierenden Institutionen sowie dem Sozialministerium die Strukturen abzustimmen. Das sind teilweise völlig verschiedene Welten, die zusammengebracht werden müssen. So was erfordert viel Präsenz.

Das klingt alles sehr bedeutungsschwer.
GRIMMINGER: Ist es eigentlich ja auch. Vielen Menschen in der Region ist gar nicht bewusst, dass man hier in Hessen medizinisch und wissenschaftlich einen international führenden Ruf in der Herz- und Lungenmedizin hat. Durch den Zusammenschluss der drei großen Schwerpunktkliniken entsteht das größte europäische Zentrum für Herz- und Lungenmedizin. Das ist gut für die Patienten, aber auch für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wissenschaft im internationalem Vergleich und die Innovationsführerschaft in der Medizintechnologie in diesem Bereich.

Laut HKZ-Betriebsrat ist die Stimmung derzeit von Verunsicherung geprägt. Wie können Sie das Personal auf einen gemeinsamen Weg einschwören?
GRIMMINGER: Veränderung bringt immer Verunsicherung. Das ist ganz normal und aus der Perspektive derer, die davon betroffen sind, verständlich. Hier in Rotenburg geht es um eine absolut positive Neuausrichtung. Das hat nicht nur Zukunft, sondern in meinen Augen eine große Zukunft. Eine Aufbruchsituation wie diese erfordert aber Mut und Zuversicht. Da hilft die texanische Lebensphilosophie: Wenn man in einen Sattel steigt, muss man auch darauf vorbereitet sein, zu reiten.

Durch das neue Zentrum entsteht in Rotenburg erstmals eine Konkurrenzsituation. Hätten Sie sich gewünscht, dass das Kreiskrankenhaus Teil des Verbundes wird?
GRIMMINGER: Ja, natürlich, alles andere ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Benachbarte Krankenhäuser müssen sich funktionell verbinden. Keiner kann mehr alles allein, das ist Tante Emma Medizin. Ein Krankenhaus der Zukunft ist vernetzt und interdisziplinär. Wenn es nicht den neuen Anforderungen an Spezialisierungen, Qualitätssicherung und Mindestfallzahlen genügen kann, muss es Teil eines Netzwerks sein und sich innerhalb des Verbunds auf eine Kompetenz konzentrieren. Der Druck von Politik, Krankenkassen und Patientenseite wird immer größer. Dieser Strukturwandel ist gerade in der Herz- und Lungenmedizin nicht aufzuhalten.

Zur Person
PROF. DR. DR. FRIEDRICH GRIMMINGER (58) hat in den Fächern Humanmedizin und Biologie promoviert und in ersterem auch habilitiert. Er ist Inhaber von Ehrenprofessuren der Universitäten von Kent (Großbritannien) und Texas/USA. Er gilt als Fachmann für die Vernetzung von Krankenhäusern.

Bericht aus der Hersfelder Zeitung vom 14.11.2016

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