Entscheiden im Sekundentakt

Klinikum Bad Hersfeld erneut für Traumanetzwerk zertifiziert – Optimale Arbeitsabläufe auch im Notfall

Wenn ein Mensch verunglückt, dann läuft die Zeit manchmal rückwärts. Er wird gefunden, der Rettungswagen kommt, man leistet Erstversorgung und bringt den Verletzten ins nächstgelegene Krankenhaus. Dort geht die Arbeit von Ärzten und Pflegern los.

Kommt eine schwerverletzte Person im Liegendtransport im Klinikum an, wird sie mit dem Status „polytrauma  unbekannt“ in den Schockraum gebracht, einem Multifunktionsraum, der sich in unmittelbarer Nähe der  Krankenwagen-Einfahrt befindet. Schwerverletzt bedeutet für das Krankenhaus, dass die Person lebensbedrohlich verletzt ist. Der wirkliche Grad der Verletzung ist allerdings nie sofort erkennbar.

Im Schockraum stehen alle zur Lebenserhaltung notwendigen Instrumente und Apparate bereit. Anwesend ist ein mehrköpfiges Team, bestehend aus dem Trauma-Leiter, einem Unfallchirurgen und einem weiteren Arzt, einem Anästhesisten und Anästhesieassistenten, sowie einem Arzt für Radiologie, Krankenschwestern und -pflegern.

„Das Team von acht qualifizierten Personen ist in dieser Zusammensetzung immer bereit“, sagt der Chefarzt für Unfallchirurgie und Orthopädie des Klinikums, Privatdozent Dr. Rüdiger Volkmann.

Sobald der Patient im Schockraum ist, wird eine Uhr (Bild oben) auf Null gesetzt – jetzt läuft die Zeit. Innerhalb von 15 Minuten muss das Team wichtige Entscheidungen treffen. Es muss die Art der Verletzungen feststellen und die Person parallel dazu behandeln. Maximal eine Stunde darf der Patient in dem Raum sein. Sie wird deshalb die „Goldene erste Stunde“ genannt.

Die Arbeitsabläufe werden mit Scheinalarm regelmäßig geübt. Die Ärzte messen den Venendruck, legen Zugänge und machen eine Reihe weiterer Untersuchungen. Per Ultraschall machen sie sich auf die suche nach der Blutungsquelle. Das sei manchmal gar nicht so leicht, da es sich oft um innere Blutungen handelt, sagt Volkmann. Das kann die großen Körperhöhlen Brustkorb und Bauchraum sowie den Schädel betreffen. Wichtig ist auch die Messung der Puls- und Blutdruckwerte. Sie geben Auskunft über die Kreislaufsituation. Wird bei den Messungen ein Grenzwert erreicht, dem Patienten droht ein Kreislaufzusammenbruch, spricht man von einem  Verblutungsschock. Dann geht es sofort in den OP, wo die Blutungen am offenen Körper gestillt werden, indem mit  Tüchern Druck auf die betroffenen Stellen ausgeübt wird. Ziel ist der Erhalt des Blutvolumens.

Sind die Herz-Kreislaufsysteme stabilisiert, wird der Patient auf die Intensivstation verlegt. Nach jedem Einsatz im Schockraum analysiert das Team die Abläufe. Die Besprechung gibt den Beteiligten auch Raum für Emotionen. Ihr Einsatz im Schockraum ist mit hohem physischen und psychischem Druck verbunden, weiß Volkmann.

„Währenddessen ist kein Platz für Emotionen, da ist unsere Professionalität gefragt“, fasst der Chefarzt zusammen.

Zur Person

PRIVATDOZENT DR. RÜDIGER VOLKMANN, Jahrgang 1951, ist seit 1997 Chefarzt der Unfallchirurgie und  Orthopädie des Klinikums Bad Hersfeld. Nach dem Medizinstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ging er nach Tübingen. Dort machte er den Facharzt zum Chirurgen und Unfallchirurgen sowie zum Orthopäden und zum Arzt für physikalische Therapie. (Fotos,Text: Lischper) 

pdf Artikel aus der HZ v. 26.11.2014

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