Die Lage auf der Corona-Station

"Bilder, die einen nicht mehr loslassen"

"Gut ein Drittel der bisherigen Corona-Intensivpatienten bei uns auf der Intensivstation im Bad Hersfelder Klinikum sind gestorben", bilanziert Volker Hofmann, Intensiv-Pfleger und stellvertretender Stationsleiter der Covid-Intensivstation. Die OSTHESSEN|NEWS-Reporter Kevin Kunze und Carina Jirsch durften sich exklusiv ein eigenes Bild der Lage auf der Corona-Station im Bad Hersfelder Klinikum machen. Sie erlebten hautnah den Alltag von Ärztinnen, Pflegern und Patientinnen.

Es war eine eindrückliche Zeit auf der Corona-Intensivstation im Klinikum - beginnend mit der besonderen Einkleidung, die man zur Sicherheit tragen muss, damit man sich nicht mit dem gefährlichen Corona-Virus infiziert. Das ist dieser Anzug, der wirkt als wäre man ein Astronaut. Dazu die Schutzbrille, die an eine Skibrille erinnert. Denn auch über die Augen kann das Corona-Virus übertragen werden und in den Körper gelangen. Alleine diese körperliche Belastung im Anzug zeigt schon, welch harte Arbeit das medizinische Personal tagtäglich leistet.

Ein Blick in die Zimmer verrät: Mehrere Ärzte und Schwestern bedienen kontinuierlich die verschiedenen lebenswichtigen Maschinen, ohne die für einige Patienten längst keine Hoffnung mehr bestünde. Es sind Bilder, die einen so schnell nicht mehr loslassen, auch Tage später noch im Kopf umherschwirren. Man fragt sich: "Was würde passieren, wenn ich dort liegen würde?" Zumal auch immer mehr jüngere Menschen mit Corona-Infektion auf die Intensivstation müssen und nicht mehr nur die Großeltern-Generation.

Altersspektrum hat sich verändert

"Das Altersspektrum der ernsthaft erkrankten Patienten hat sich im Laufe der Pandemie verändert", weiß Dr. Martin Grapengeter, der schon seit Jahren als Chefarzt der Klinik für Anästhesie Intensivmedizin arbeitet. Mitte Mai waren die Patienten auf der Intensivstation am Bad Hersfelder Klinikum zwischen 36 und 62 Jahre alt.

Vor allem mit den Impfungen bei den vulnerablen Gruppen (Personen, die besonders gefährdet sind), habe dies zu tun. Dadurch erkranken weniger ältere Personen schwer und eine zunehmende Zahl jüngerer Menschen kommt auf die Intensivstation.

"Die persönlichen Schicksale unserer Patientinnen und Patienten bewegen uns natürlich jeden Tag aufs Neue. Besonders nahe gehen mir dabei jüngere Personen. Dies Tag für Tag zu verarbeiten, ist sehr schwierig - es ist wichtig, mit den Kolleginnen und Kollegen im Austausch zu sein. Das hilft, die Geschehnisse zu verarbeiten", so Intensiv-Pfleger Hofmann.   Gerade die gestiegene Verweildauer auf der Intensivstation schafft eine engere Bindung zu den schwer an Covid-Erkrankten: "Zu normalen Zeiten bleiben die Patienten etwa fünf Tage auf unserer post-operativen Intensivstation - durch Corona sind es durchschnittlich vier Wochen. Dadurch kommt eine viel engere Bindung zwischen Patienten und Personal zustande." Allerdings konnten die Pfleger und Krankenschwestern diese Nähe kaum für die emotionale Fürsorge nutzen. Zu hoch war die Auslastung in den vergangenen Wochen und Monaten auf der Station. Da bleibt nicht viel Zeit über das medizinisch Notwendige hinaus.

Für Angehörige ist es nur im absoluten Ausnahmefall möglich, die Covid-Intensivstation zu besuchen. Auch für Intensiv-Pfleger Hofmann eine besonders schwierige Situation: "Das ist eine extrem schwere Lage für alle Beteiligten, gerade weil sich nicht alle Angehörigen richtig verabschieden können."

Arbeitsalltag des Personals hat sich verschärft

Auch der Arbeitsalltag des medizinischen Personals hat sich durch die Pandemie nochmals verschärft: "Wir haben in allen Schichten zusätzliche Ärzte einplanen müssen", so Dr. Martin Grapengeter. Dadurch könnten die Ärzte nur schwer Urlaub und freie Tage nehmen, Überstunden sammeln sich an.

Zu der enormen psychischen Belastung komme durch die Verschärfung der Arbeitszeiten auch eine extreme körperliche Beanspruchung auf das medizinische Personal zu, unter anderem auch durch den Schutzanzug. Für Hobbys und Freizeitaktivitäten nach der Arbeit bleibt dadurch kaum noch Kraft: "Momentan bin ich so ausgepumpt, dass ich nach meinem Dienst nur noch aufs Sofa falle und fertig bin", so Pfleger Hoffmann.

Immerhin gibt es ganz langsam berechtigten Grund zur Hoffnung: Der Höhepunkt der dritten Corona-Welle scheint gebrochen. Die Corona-Fallzahlen sinken in ganz Deutschland. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist die 7-Tage-Inzidenz wie in vielen Teilen des Landes bereits unter 100. Und auch auf der Intensivstation geht es in die richtige Richtung. Chefarzt Dr. Grapengeter: "Momentan müssen weniger Menschen aufgrund ihrer Corona-Infektion auf die Intensivstation."

Doch trotz der leichten, stetigen Verbesserung auf der Intensivstation und des Impffortschrittes, muss die Covid-Intensivstation auch in den nächsten Monaten im Bad Hersfelder Klinikum erhalten bleiben: "Es wird weiterhin Corona-Fälle geben, einige Patienten müssen auch leider auf die Intensivstation. Ich denke, dass wir bis in das nächste Jahr hinein noch diese Covid-Intensivstation betreuen müssen - auch wenn man solche Prognosen nur schwer wagen kann", sagt Intensiv-Pfleger Hoffmann. Es bleibt zu hoffen, dass er mit der Prognose daneben liegt und die Covid-Intensivstation schon bald nur noch durch gähnende Leere auf sich aufmerksam macht. (Kevin Kunze) +++

 

Von mangelnder Anerkennung und unfairen Politiker-Schelten

Anerkennung und Wertschätzung sollten in der Pandemie gerade für medizinisches Personal selbstverständlich sein. Allerdings ist das in der Realität nicht immer so, häufig stehen sogar Beleidigungen und Anfeindungen an der Tagesordnung. Vor allem in den sozialen Medien ist der Umgang oft respektlos. Im zweiten Teil unserer OSTHESSEN|NEWS-Serie aus dem Bad Hersfelder Klinikum, sprechen Intensivmediziner Dr. Martin Grapengeter und Intensiv-Pfleger Volker Hofmann mit OSTHESSEN|NEWS-Reporter Kevin Kunze über die zu geringe Wertschätzung in Medizin-Berufen und über die Rolle der Politik.

Dr. Martin Grapengeter ist enttäuscht. Wenn er an die Wertschätzung, die vor allem der Pflege entgegengebracht wird, denkt, dann sprudelt es aus ihm raus: "Die Anerkennung für die tägliche Arbeit hat spürbar nachgelassen. Die fehlende Achtung vieler Menschen vor der Arbeit in der Pflege ist das eine. Noch viel schlimmer allerdings ist es, dass über die sozialen Medien zum Teil Kollegen diffamiert und angegriffen werden. Das ist absolut respektlos", empfindet Dr. Martin Grapengeter die aktuelle Situation.    In diese Kerbe schlägt auch Intensiv-Pfleger Volker Hofmann im O|N-Gespräch und beschreibt die Konsequenzen: "Das wird auch nachhaltige Auswirkungen auf den Pflegeberuf haben. Als ich im Jahr 2001 hier im Bad Hersfelder Klinikum angefangen habe, gab es 400 Bewerber auf knapp 30 Arbeitsstellen. Inzwischen muss man froh sein, überhaupt jede Arbeitsstelle besetzen zu können. Das hängt natürlich auch mit der geringen Anerkennung und einem zu niedrigen Lohn zusammen." 

Allerdings sehen Grapengeter und Hoffmann auch positive Aspekte, gerade im Vergleich zu anderen europäischen Staaten: "Wir sind in Deutschland medizinisch sehr gut ausgestattet. Auch die Organisation klappt hervorragend - gerade das Land Hessen ist hier ein Vorreiter", erklären Grapengeter und Hofmann unisono.    Und dann gebe es ja auch noch die überraschend schönen Momente. Wenn geheilte Patienten oder deren Familienangehörigen rührende Briefe aus Dankbarkeit geschrieben hätten - das seien dann die Momente, die unheimlich dankbar machen und Motivation für den Job gäben.

Mit der Generalschelte vieler Deutscher gegen "die Politik" hat Grapengeter trotzdem ein großes Problem: "Natürlich hat die Politik in den letzten Monaten Fehler gemacht, es darf aber nicht nur auf die Politiker draufgehauen werden." Er erklärt: "Auch für sie war es die erste Pandemie, die sie zu bewältigen hatten. Genau wie für uns Mediziner." Kritik sei durchaus angebracht, allerdings sollte ein gesundes Maß gefunden werden. Und vor allem sollte man für die Zukunft lernen. (Kevin Kunze)+++

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