Das Hörgerät reicht oft nicht aus

Über 14 Millionen Deutsche sind von einer Hörstörung betroffen

Mehr als 14 Millionen Menschen in Deutschland sind hörgeschädigt – Tendenz steigend. Ursache, Form und Grad einer Schwerhörigkeit stellt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt durch verschiedene Untersuchungen und Hörtests fest.  Prof. Dr. Peter R. Issing und der Neurobiologe Martin Spreng vom Klinikum Bad Hersfeld beantworten die  wichtigsten Fragen zur Schwerhörigkeit.

Wer kann von einer Hörstörung betroffen sein?
Prinzipiell jeder. Eine Hörstörung kann angeboren sein oder sich durch äußere wie innere Einflüsse entwickeln. Je  nach Ursache tritt sie plötzlich auf und geht wieder vorüber. Manchmal setzt sie schleichend ein, wird mit der Zeit  stärker und zu einem dauerhaften Hörproblem. Betroffen sind entweder ein Ohr oder beide Ohren.

Wann muss der Patient einen Arzt aufsuchen?
Wenn der Patient den Eindruck hat, schlechter zu hören oder zu verstehen, sollte er den HNO-Arzt aufsuchen. Mit  gezielten Hörtests kann der Ursache und Form der Hörstörung feststellen und die notwendige Therapie einleiten. Bei einem Hörsturz, einer akut auf einem Ohr auftretenden Hörminderung, handelt es sich nicht um einen Notfall. Ein Besuch des Patienten am nächsten Tag im Krankenhaus ist ausreichend.

Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es?
Das Ohr ist ein sehr komplexes Organ, vergleichbar mit einem Feinmessinstrument. Probleme können sowohl am äußeren, mittleren und inneren Ohr auftreten. Häufig erholt es sich von selbst; mitunter sind aber Operationen  angezeigt. Bei chronischen Hörproblemen gleichen die richtigen Hörgeräte mit ihrer Verstärkerfunktion die  Beeinträchtigung gut aus. Am häufigsten betroffen ist die Hörschnecke im Innenohr. Bei einer hochgradigen Einschränkung des Hörvermögens ist der Einsatz eines sogenannten Cochlea-Implantats zu erwägen.

Wie wird das Cochlea-Implantat eingesetzt und wie funktioniert es?
Das Implantat wird während einer etwa einstündigen Operation hinter dem Ohr unter der Kopfhaut eingepflanzt. Die minimal-invasive Operation ist nicht belastend. Das Implantat kann im Regelfall ein Leben lang dort bleiben, weil es sich nicht abnutzt. Der äußere Teil, der Sprachprozessor, wird wie ein konventionelles Hörgerät am Ohr getragen und ist durch einen Sender mit dem Implantat verbunden. Beides wird durch eine Fernbedienung gesteuert.

Welche Folgen hat eine nicht behandelte Schwerhörigkeit im Alltag?
Im sozialen Miteinander sind Hörgeschädigte meist mehr gehandicapt als Blinde. Nicht selten werden die  Betroffenen unsicher und ziehen sich immer mehr in ihr Schneckenhaus zurück. Abhilfe und Aufklärung soll hier der Deutsche Behindertentag zum Thema Schwerhörigkeit schaffen, der am Samstag, 24. August 2013, in Bad Hersfeld stattfindet.

Zur Person
Der Diplom-Biologe MARTIN SPRENG (46) stammt aus Darmstadt. Dort studierte er Biologie und Neurobiologie,  bevor er acht Jahre lang als technischer Leiter in einem Rehabilitations-Zentrum für Cochlea-Implantierte arbeitete.
Spreng ist seit dem Jahr 2006 Leiter der Audiologie im Hersfelder Klinikum. Er begleitet die Patienten vor allem  nach der Operation während der Eingewöhnungsphase mit den Implantaten.

Das Bad Hersfelder Klinikum versorgt Kleinkinder aus ganz Hessen in einem eigenen Follow-Up-Zentrum

Sämtliche Hörstrukturen sind bereits bei der Geburt angelegt. „Sie müssen aber gereizt werden, um die Hörbahn  ausreifen und damit voll funktionstüchtig werden zu lassen“, erklärt Prof. Dr. Peter R. Issing. Von 1000 Neugeborenen kämen etwa ein bis drei Kinder mit einer hochgradigen Hörminderung auf die Welt. „Das Vermögen zu hören ist  gleichzeitig die Grundvoraussetzung dafür, Sprache zu erlernen und zu verstehen“, betont Issing. Ohne einen  frühzeitigen Hörtest würde die Beeinträchtigung in der Regel erst im zweiten Lebensjahr entdeckt – viel zu spät für die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung des Kindes.

Seit dem Jahr 2009 wird daher eine Früherkennungsuntersuchung auf Hörschäden bei Neugeborenen von den  Gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt. Das Bad Hersfelder Klinikum besitzt zudem ein sogenanntes  Follow-Up- Zentrum, das die weitergehende Versorgung der hörgeschädigten Neugeborenen gewährleistet. „Babys aus ganz Hessen werden hier behandelt, da diese speziell zertifizierten Zentren nicht flächendeckend vorhanden  sind“, sagt Issing. Der Betrieb werde von der Neugeborenen-Hörscreening-Zentrale in Gießen überwacht und  kontrolliert. Einer normalen Entwicklung des Kindes stehe nichts im Wege, solange die Hörschädigung vor dem  zweiten Lebensjahr erkannt und therapiert werde. Auch gegen den Einsatz eines Cochlea-Implantats in so jungen  Jahren spreche nichts.

Das Implantat sei unter der Haut kaum spürbar, und der Sprachprozessor werde nachts abgenommen. „Unser  jüngster Patient war bei der Implantation 7 Monate, die älteste Patientin 88 Jahre alt“, sagt Issing.
Wenn die Indikation erfüllt ist, dann übernimmt die Krankenkasse die Kosten für das Cochlea-Implantat. Das Alter spiele bei der Operation keineRolle; wichtig sei laut dem HNO-Arzt vor allem die Bereitschaft der Patienten zur  Mitarbeit. „Eigentlich hört der Mensch nicht mit dem Ohr, sondern mit dem Gehirn“, erklärt Issing. Deshalb folge auf die rein medizinische Behandlung auch immer ein Lernprozess. Der Patient habe mit der Erkrankung meist einen  veränderten Höreindruck gewonnen und achte vermehrt auf Geräusche. Wichtig sei dann ein gezieltes Hörtraining, damit die Betroffenen die Sprachsignale richtig verstehen lernen.

Zur Person
PROF. DR. PETER ROLF ISSING (52) wurde in Würzburg geboren und hat dort Medizin studiert. In Tübingen und  an der Medizinischen Hochschule Hannover wurde er zum HNO-Facharzt ausgebildet. Zudem arbeitete er in  Hannover zehn Jahre lang am weltweit größten Cochlea-Implantat-Zentrum. Seit dem Jahr 2003 ist er Chefarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in Bad Hersfeld. (esp)

 pdf Artikel aus der HZ v. 21.08.2013

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Dipl. Biologe Martin Spreng
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