Altern in der Arbeitswelt

Verlängerte Lebensarbeitszeit, Fachkräftemangel, niedrige Renten – diese Schlagworte standen auch beim Forum „Alter(n)sgerechte Arbeitswelt“ der Zukunftsakademie Hersfeld-Rotenburg im Blickpunkt. Am Ende der Veranstaltung war den Zuhörern ebenso wie den Rednern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft klar: Nur gemeinsam sind die bereits vorhandenen und noch entstehenden Probleme zu lösen.

Jürgen Sauerwald, Personalleiter des Medizintechnikherstellers B.Braun Melsungen, konnte anhand konkreter Beispiele die in der Eingangsrede von Professor Meinolf Peters dargestellten wissenschaftlichen Erkenntnisse über älter werdende Arbeitnehmer bestätigen – auch ältere Mitarbeiter sind noch motiviert und leistungsfähig.

„Der Jüngere mag schneller sein“, sagte Sauerwald, „doch der Ältere kennt die Abkürzung.“ Auch beim weltweit agierenden Konzern in Melsungen will man nicht auf die Erfahrung und die Arbeitskraft der Älteren verzichten.

Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen versucht B.Braun bereits heute für sich und die Arbeitnehmer das Beste herauszuholen. „Das ist für mich Tagesgeschäft“, sagte Sauerwald. Dass die Modelle der Melsunger nicht auf alle und vor allem nicht auf kleinere Betriebe auszuweiten sind, unterstrich Gastgeber Joachim Lindner. Der Vorsitzende der Zukunftsakademie und Ärztliche Direktor der Klinik am Hainberg sagte in der von Markus Pfromm, dem Geschäftsführer der Hersfelder Zeitung, moderierten Gesprächsrunde: „Die kleinen Betriebe müssen Möglichkeiten bekommen, sich zusammenzuschließen. Sie müssen informiert werden und Hilfen erhalten. Man darf nicht nur verwalten.“

Zwei Frauen, die für sich persönliche Lösungen gefunden haben, sind Margret Winter und Kerstin Biskamp.  Winter, bereits Rentnerin, nutzt ihr Wissen in der Altenpflege, um ihre Rente finanziell aufzubessern und erreicht damit noch mehr. „Ich fühle mich gebraucht, habe eine Aufgabe, die mich ausfüllt“, sagte sie. Biskamp, die mit über 40 Jahren eine neue Ausbildung absolviert, erklärte: „Man muss sich auch selbstständig auf den Weg  machen und Dinge regeln. Dabei ist es wichtig, auch jenseits der 40 seine Neugier zu behalten.“

Elke Künholz, Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin des Landkreises Hersfeld- Rotenburg, sah die  Politik in der Pflicht, den Raum für Treffen und Gespräche zu bieten. „Wir können die Akteure an einen Tisch  bringen“, sagte sie und machte deutlich, dass gerade im Handwerk die Problematik des Fachkräftemangels erkannt wurde und dass dort bereits an Lösungen gearbeitet wird. Künholz verwies in diesem Zusammenhang
auch darauf, dass es wichtig sei, jedem Jugendlichen eine gute Ausbildung zu ermöglichen.

Quelle: HZ v. 08.09.2012, Foto: Stehr

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