Wenn die Venen schlapp machen

Besenreiser und Krampfadern sind vor allem ein kosmetisches Problem – Operationen sind möglich

Wenn der Sommer näher rückt und die Hosen und Röcke bei Mann und Frau kürzer werden, wird das Problem vieler Menschen offensichtlich: Besenreiser und Krampfadern. Meist sind diese erweiterten Venen ein rein optischer Makel,  Krampfadern können aber auch zu Schmerzen oder Entzündungen führen.
Wir sprachen mit Dr. med. Markus Schmidt, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Bad Hersfeld, und geben einen Überblick zum Thema.

Was sind eigentlich Besenreiser und Krampfadern?
Sowohl bei Besenreisern als auch bei Krampfadern handelt es sich um erweiterte Venen, meist in den Beinen. Dort gibt es Venen verschiedener Größe. Die wichtigsten sind die Leitvenen in der Tiefe des Beins, die die Arterien, also die Schlagadern, begleiten. Beim Krampfaderleiden handelt es sich im Wesentlichen um eine Bindegewebsschwäche im Bereich der oberflächlichen Beinvenen. Im Laufe der Zeit kann es zu einer Erweiterung und zum Hervortreten dieser kommen. Besenreiser sind kleine, feine erweiterte Venen, die blau durch die Haut schimmern und häufig wie Verästelungen aussehen, daher kommt übrigens auch der Name. Sie sind eine Form von Krampfadern und kommen häufig im  Bereich der Beine vor. Krampfadern sind dicker und größer, sie treten schmerzbildend und störend sichtbar hervor. Der Begriff Krampfader soll auf das schon im Mittelalter benutzte Wort „Krummader“ zurückgehen.

Welche Aufgaben haben die Venen überhaupt?
Die Venen sind Blutgefäße, die das Blut, das im Körper zirkuliert, zurück zum Herzen transportieren. Es gibt  oberflächliche und tiefe Venen. Venen haben eine bläuliche Farbe. Arterien transportieren das Blut vom Herzen weg.

Welche Ursachen haben Besenreiser und Krampfadern?
Im Grunde handelt es sich laut Dr. Schmidt bei der angeborenen Bindegewebsschwäche um eine vererbte Erkrankung, die man von den Eltern übernimmt. Betroffen sind Männer und Frauen – wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind –, Jüngere und Ältere, Übergewichtige wie Schlanke, Sportler und Nicht-Sportler.

Wie kann man erweiterten Venen vorbeugen?
Vorbeugen kann man eigentlich kaum, da die Erweiterung der Venen genetisch bedingt ist. Wichtig sind Bewegung und beim Gehen das richtige Abrollen des Fußes.
Generell lässt sich sagen:
Die „S“s sind schlecht: also langes Stehen, Sitzen und Saunieren.
Die „L“s wie Laufen und Liegen sind gut.
Schwangere können mit Kompressionsstrümpfen vorbeugen, wenn ein solches Leiden in der Familie bekannt ist. In der Schwangerschaft lockert sich das Bindegewebe im Körper, weil das für die Geburt wichtig ist.

Sind erweiterte Venen ein rein kosmetisches Problem oder sind sie gefährlich?
Besenreiser sind in der Regel harmlos und führen auch nicht zu Schmerzen. Selten können Besenreiser zu Blutungen führen. Mögliche Komplikationen bei Krampfadern beziehungsweise chronischer Venenschwäche sind Venenentzündungen oder offene Beine. Laut Dr. Schmidt wird das Risiko aber häufig überschätzt; Risiken wie Thrombose oder eine Lungenembolie etwa seien nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Wer Rötungen, Schmerzen, Überwärmung oder ein Spannungsgefühl im Bereich der betroffenen Adern oder in der Knöchelgegend spürt, sollte einen Arzt aufsuchen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Ohne Operation lassen sich Krampfadern konservativ mit maßgefertigten Kompressionsstrümpfen bis zur Leiste behandeln, weil sich das Krampfaderleiden meist bis in den Oberschenkel erstreckt. Diese Strümpfe werden dann ein Leben lang jeden Tag getragen. Operativ entfernen lassen sich Krampfadern mit unterschiedlichen Methoden: dem sogenannten Stripping oder einem Katheterverfahren mithilfe von Radiofrequenz oder Laser. Besenreiser  können mit einem Schaumverödungsmittel verödet oder mit Laser behandelt werden. Das Ergebnis ist nicht von  Dauer, kann aber beliebig wiederholt werden. Weil es sich in der Regel um ein kosmetisches Problem handelt, wird die Behandlung nicht von der Krankenkasse übernommen.

Welche Operationsmöglichkeiten gibt es?
In Deutschland wird meist das Stripping-Verfahren angewandt. Dabei wird die kranke Stammvene mit einer Sonde durchfahren und herausgezogen. Die sichtbar unter der Haut geschlängelten Seitenastadern werden über winzige Hautschnitte mit einer Art Häkelnadel herausgeholt und so entfernt, dass später idealerweise keine Narbe zu sehen ist. Nach dem Eingriff ist das Tragen eines Kompressionsstrumpfes für drei bis sechs Wochen erforderlich. Die OP erfolgt in der Regel ambulant, danach ist der Betroffene rund zwei Wochen krankgeschrieben. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen. In den USA wird zu 90 Prozent das Katheterverfahren angewandt, bei dem die kranke Vene erhitzt wird, sodass sie sich schließt und schrumpft. Das Ergebnis ist laut Dr. Schmidt vergleichbar, allerdings treten anschließend seltener Blutergüsse und Schmerzen auf. Heilen können solche Operationen das  Venenleiden natürlich nicht, weitere neue Krampfadern sind aufgrund der vererbten Veranlagung möglich.

Zur Person

DR. MARKUS SCHMIDT (53 Jahre) ist in Kassel aufgewachsen und hat in Göttingen und Hamburg studiert. Sein  praktisches Jahr absolvierte er in Bochum. Berufliche Stationen waren Dortmund, Hanau, Ludwigsburg und Kassel.  Seit Dezember 2005 ist Schmidt am Klinikum Bad Hersfeld tätig und dort Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie. Der 53-jährige Gefäßchirurg lebt in Bad Hersfeld. (nm)

pdf Artikel aus der Hersfelder-Zeitung vom 13.05.2015

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